Begegnungen und Gedanken und wie ich sie für mein positives Mindset nutze
Ich tauche so selten ein in den Samstagnachmittagstrubel in unserer Innenstadt, dass wenn es dann mal wieder passiert ich mit jedem Mal einen neuen Laden, ein neues Restaurant oder Café entdecke. Heute war es mal wieder Zeit für dieses Auftanken an Selbstwert und -liebe. Mittenrein in die Gesellschaft. Still und leise, allein nur für mich. Beobachten. Wirken lassen.
Überdimensionale Schals bei fast 20 Grad plus am 18. Oktober 2024. Warum? Diese Frage stellte sich mir heute am Marktplatz meiner Heimatstadt. Was passiert da in den Köpfen dieser Damen. Unten Sneakersocken und Sneaker, oben Fleecejacke und Schal in der Größe eines Badetuchs. Ich musste schmunzeln bei dem Gedanken an mein Tüchlein, welches ich selbst trug. So dünn, dass es eigentlich nur als Farbtouch diente. Während andere also zu frieren schienen, kämpfte ich mit meiner gefühlt seit Jahrzehnten anhaltenden Hitzewelle innerhalb meines Körpers.
Meine nächste Beobachtung richtete sich auf unsere geliebten Vierbeiner. Meine Gedanken und Frage hierzu: warum nehmen Männer kleine Yorkshires, Chihuahuas an der kurzen Leine (wirklich große, muskulöse Männer) mit in die Stadt, rein ins Gewühl. Man sieht den Hunden den Stress an. Sie wirken nicht entspannt. Werden gezerrt und gezogen. Gleicher Zeitpunkt viele junge Menschen aller Nationen, mit Kopftuch, ohne Kopftuch, alle zusammen, fröhlich zusammen flanierend, lachend. Das tut gut, sehr gut. Zeigt mir doch meine eigene Generation viel zu oft ein ganz anderes Bild.
Ich pausiere meinen Spaziergang unter den Bäumen vor unserem ehemaligen Hertiekaufhaus (jetzt aktuell Galeria Karstadt, Kaufhof, oder wer auch immer gerade dieses Haus verwaltet). Und wieder stellt sich mir eine Frage: warum tragen viel zu viele Frauen Schuhe, welche ihnen nicht passen, in welchen sie nicht laufen können, welche sichtbar Schmerzen beim gehen verursachen? Dazu Kleidung, welche nicht passt. Welche zu eng ist, einschneidet, spannt und zwickt. Es erschließt sich mir nicht, ganz egal wie sehr ich es auch versuche zu verstehen.
Etwas später verweile ich wieder für ein Päuschen auf der anderen Seite des Platzes und achte sehr intensiv auf all die vielen Menschen und ihre Gesichter. Es ist Samstagnachmittag. Das Wetter könnte nicht angenehmer sein. Mild, trocken und ab und zu spitzt die Sonne durch die Wolken. Aber ich benötige 10 min bis eine Gruppe Jugendlicher verbeihuscht und bei ihrer regen Unterhaltung lächelt. Viele Pärchen, Familien und Einzelpersonen vorher taten dies nicht einmal ansatzweise. Mir bot sich ein Anblick getränkt mit Skeptik, Missmut, Verbitterung und Frust. Jedoch waren all diese Menschen privat in ihrer Freizeit in der Stadt zum Eis essen, shoppen oder einfach bummeln unterwegs. Sollte dies nicht etwas Schönes sein?
Seit vielen Jahrzehnten gibt es sie schon diese Rolltreppe im „Hertiehaus“. Schon als Kind bin ich sie nach oben und wieder runtergefahren. Heute wollte ich diese Gefühl mal wieder erleben. Das Quietschen erinnert daran wie alt die gute Treppe nun schon ist. Aber sie steht uns Konsumenten nach wie vor treu zur Seite. Im 4. Stock stand ich vor einem Karton Weißweingläsern. Ich besitze ein einziges Weißweinglas. Aber schnell war mir klar, dass dieser Karton nicht seinen Weg in mein Zuhause finden würde. Denn a) trinke ich viel zu selten überhaupt Alkohol und wenn dann b) schon gar keinen Weißwein mit 5 weiteren Personen. Ich war stolz mit leeren Händen wieder gen Ausgang zu geschlendert zu sein.
Beim Duft aus der Parfümabteilung blieb ich hängen. Gedanken. Stehle ich meinem Mann kostbare Lebenszeit, entziehe ich ihm Glück, weil ich nicht die Frau mit den Highheels, den 20 Parfümsorten und den knappen Minis geblieben bin. Ok, wir haben 25 Jahre später, aber ganz ehrlich. Es gibt ne ganze Menge Frauen, welche auch mit 57 noch wie 25 scheinen. Gedanken. Schnell komm ich zu dem Schluss, dass ich mich aber so überhaupt nicht wohl fühlen würde.
Wieder eine kleine Pause auf einem der vielen Bänke (ich bin sehr positiv gestimmt die Innenstadt schon sehr bald wieder zu besuchen, weil man wirklich alle paar Meter eine kleine Sitzrast einlegen kann) und dieses Mal richtet sich mein Fokus auf die Mütter/Väter mit ihren kleinen Kindern, welche oft das Outfit der Eltern als Minime Kopie tragen. Schuhe, welche nicht zum laufen lernen geeignet sind, Jacken, welche vielleicht in 3 Jahren die Größe des Kindes erreichen. Stirnbänder, welche über die Augen rutschen, Hosen, welche auf dem Boden mitgeschliffen werden, weil noch viel zu groß. Der Frust dieser kleinen Minimodels ist groß, so groß, dass sie friedlich da liegende Neufundländer einfach anbrüllen, auf sie zu rennen, sie wieder anschreien. Die Eltern stehen einfach da und schauen schweigend zu. Warum?
Eine neue Gruppe junger Menschen kreuzt meinen Pausenplatz. In den Händen Plastikbecher mit Plastikdeckel und Plastikstrohhalm. Der Inhalt ist irgendeine quietschbunte Masse. Es nennt sich Tee, sieht aber nicht so aus und hat auf um ein vieles mehr Zusätze als der uns bekannte Tee. Es gibt eigens einen Laden im Rotmaincenter dafür Plastik (es ist bestimmt auch ein Anteil an natürlichen Zutaten in dem Getränk vorhanden, die Farben jedoch sprechen eine andere Sprache) in Plastik zu verkaufen. Gedanken.
Die schönste Begegnung an diesem spannenden Tag war eine ganz liebe alte Bekannte. Polytox, schwerbehindert, Pflegegrad, betreut, und 100% Mensch und Herz. 30 Minuten Menschlichkeit, wertschätzend, herzlich und sehr entspannte Unterhaltung, welche meinen Tag bereichert hat. Ich habe mich sehr gefreut sie in einem solch guten Zustand mit unfassbar lebensfrohem Lächeln und strahlenden Augen zu treffen. Danke dir liebe S.T. für diese wundervolle Begegnung auf den Sitzbänken unter der Baumallee vorm „Hertie“.
Während ich auf den Bus warte scrolle ich durch Facebook. Headline bei Mainwelle und Kurier. „Toter bei Nordring in Bayreuth aufgefunden“. Kommentare darunter grenzwertig. Kein Wort von Mitleid oder Beileid. Stattdessen Diskussion über die Korrektheit des Berichts. Ich verlasse sofort wieder dieses soziale Medium und das sollten viele Menschen viel öfter tun. Bevor sie irgendwelche Kommentare verfassen, sollten sie sich lieber ein Jäckchen anziehen und durch den Wald spazieren. Das würde uns allen sehr gut tun.
Kurz bevor mein Bus eintrifft beobachte ich auf der Nebenbank eine Dame mit einer Art Reisetasche. Ein paar Sekunden später holt sie einen kleinen Yorkshire da raus, welche komplett (eingetütet würde es treffend formulieren) angezogen ist. Er trägt ein Regencape, welches auch die Beinchen involviert, ebenso wie das Köpfchen. Wir haben fast 20 Grad und kein Regen weit und breit in Sicht. Er darf kurz mal laufen, dann wieder husch ins Täschchen. Warum?
All diese Begegnungen und Beobachtungen schenken mir Dankbarkeit, Demut und Frohsinn. Denn all dieser Stress, dieser Zwang, dieses Müssen, das alles brauch ich nicht um zufrieden zu sein, um Glückmomente zu empfinden und Liebe zu geben. Was schenkt euch Liebe und Frohsinn?
