Die stille Zeit in Aufruhr Teil III

In den letzten Tagen und Wochen haben mich die unterschiedlichsten Rückmeldungen auf meine Frage hin „Wie ist es bei euch an Weihnachten? Wie verbringt ihr diese Tage? Habt ihr als Betroffene und/oder Angehörige Tipps und Tricks, wie das Fest gut und harmonisch verlaufen kann?“ erreicht.

Von „Ich möchte darüber nicht nachdenken müssen, weil es jedes Jahr aufs Neue nicht vorhersehbar ist, wie es mir an diesen Tagen ergeht“ bis zu den beiden folgenden Geschichten, welche ich, da ich die Menschen, welche mir ihre Geschichten schicken ja kenne, sehr gefreut hat.

Ein Betroffener erzählt:

Hi Susi,

ich geh am Heiligen Abend – nur einmal im Jahr – mit meiner Mutter in die Kirche. Früher war ich oft in der Heiligen Messe, da ich Ministrant war. Ich bin zwar gläubig, aber das kann man auch ohne Kirche sein. Die Bescherung findet, je nachdem zu welcher Uhrzeit die Kirche stattfindet, entweder vor oder nach dem Gottesdienst statt. Wir schenken uns eigentlich recht wenig. Manchmal habe ich eine Idee, z.B. Konzertkarten. Das ist aber die Ausnahme. Zu essen gibt es an Weihnachten immer eine Gans. Das ist Ritual. Auch meine Erkrankung konnte diesen Weihnachtsritualen nichts anhaben.

Gerty Nuss (Carolin Schürmann) https://www.gertynuss.de/ erzählt:

Liebe Susi, 

seitdem du bei mir den Blogeintrag angefragt hattest, kreisten meine Gedanken und ich tat mich lange schwer einen Schreibansatz zu finden. Bei mir hat sich die Adventszeit noch nicht so richtig eingestellt, ich habe dennoch versucht meine Gefühle und Gedanken dazu in einen Text zu verpacken, der vielleicht anspricht oder auch nicht. 

Aber das fühle ich:  

Wahrhafte GENUSSmomente zur Adventszeit 

by GERTY NUSS 

Alle Jahre wieder das Gleiche.
Jedes Jahr nehmen wir uns vor: Dieses Jahr wird wirklich besinnlich.

Weniger Lametta, mehr Klima. 
Und jedes Jahr kommen trotz aller guten Vorsätze und Bestrebungen verantwortungsvoll handeln zu wollen, neue Hiobsbotschaften, die unsere Besinnlichkeit trüben.

Anne pflegt nebenberuflich seit dem Schlaganfall ihres Mannes.
Holgers Sohn hat die Schule abgebrochen – Gespräche zu Hause gibt es keine mehr.
Sonjas Selbstbestimmung wird von ihrer Familie als lachhafte „Wokeness“ abgetan.

Anne, Holger und Sonja finden nur selten echte Besinnlichkeit.
Kaum Gespräche, keine Unterstützung, dafür viele Meinungen.

Alle Jahre wieder nimmt sich jede:r von ihnen vor: Diesmal weniger Fusel.
Und doch stehen sie irgendwann wieder zusammen auf dem Weihnachtsmarkt.
Ihr kleinster gemeinsamer Nenner, auch wenn sie sich nicht mehr wirklich gut verstehen.

Dort, wo Einsamkeit, Unsicherheit oder Verzweiflung wohnen,
wartet oft kein offenes Ohr mit Verständnis – aber viele Genussmitte mit Rabatten. 

In der kalten und besinnlichen Jahreszeit

schafft Glühwein Nähe, löst Zungen und Nerven.
Anne, Holger und Sonja fühlen sich von jetzt auf gleich gelöster – mit sich, mit anderen, mit der Welt scheinbar im Einklang. 

Alle Jahre wieder: das Blut Christi, gesüßt und verfeinert, an jeder Ecke.

Mit einer warmen Tasse in der Hand und Gesprächen, die sich fließender anfühlen,
glauben wir, den Moment nur so wirklich genießen zu können – ohne Angst, ohne Schuldgefühle, nicht mehr richtig funktionieren und mithalten zu können.  

Auch dieser Genuss ist eine Form von Achtsamkeit, aber: 


Wie bewusst ist ein Genuss, der so leicht verfügbar ist?
Wie wertvoll ist ein Moment, den wir uns nicht selbst schaffen?

Wie besonders ist ein Gespräch, dass wir nur im Rausch erleben können? 

Ein paar Euro, ein paar Schritte, eine Bestellung, ein paar Schlücke – und Hokuspokus: innere Ruhe. Kein Konsum, nur Zuhören, Atmen und positiv denken – innerer Error und volkswirtschaftliches Erdbeben? 

Was wäre, wenn wir uns miteinander bewusst für eine andere Art von Achtsamkeit entscheiden?
Eine, die nichts kostet, außer Zeit füreinander? 
Eine, die Gespräche statt Gläser füllt? 


Unvoreingenommene Nächstenliebe –  das ist die wahre Besinnlichkeit, die wir uns insgeheim ersehnen, aber verlernt haben von Natur aus zu erleben. 

Als ich Susi traf, spürte ich direkt diese natürliche Art zu lieben.  

Sie ist einfach da für all die Annes, Holgers und Sonjas dieser Welt. 

Unvoreingenommen und offen. 

Immer dann, wenn ich zulasse mich selbst zu lieben, komme ich in den Genuss, anderen unvoreingenommen Liebe schenken zu können. 

Danke für unsere Begegnung und unsere gemeinsame Reise. 

In tiefer Verbundenheit, 

Deine Caro

Eine Betroffene und Angehörige erzählt:

Mit diesen Beiträgen würde ich gerne die Reihe Stille in Aufruhr abschließen und mich bei allen, welche mir geschrieben haben für ihre Offenheit und ihre Geschichte bedanken. Ich wünsche mir aus tiefstem Herzen, dass jeder Einzelne für sich das Weihnachten erlebt, welches er sich für sich selbst wünscht.

Am 01. Dezember 2024 startet mein Online Adventskalender, welcher jedes Jahr aufs Neue von vielen Lesern erwartet wird. Es ist nun schon das 14. Jahr, seit ich begonnen habe die digitale Welt mit etwas Menschlichkeit während der Vorweihnachtszeit zu beglücken. Wir hatten schon die unterschiedlichsten Themen, Sprüche und Fotos. Seid gespannt, was euch dieses Jahr erwartet.

Eure Sue Freund 

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Autor: Sue Freund

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