In vielen Momenten während meiner Gespräche mit Angehörigen, Freunden und Familie bekomme ich folgende Sätze gesagt:
“ Das kann ich nicht.“ Oft auch: „Das ist leichter gesagt als getan.“
Vor ein paar Jahren hatten mich solche Floskeln, wie ich sie mittlerweile gerne nenne, – sagen wir mal vorsichtig – etwas aufgewühlt. Ich nenne sie deshalb Floskeln, weil sie über viele Jahre des Lebens im Außen antrainiert wurden. Stellt man sich aber bewusst diesen Aussagen und legt sie auseinander, kommt man zu dem Ergebnis, dass es eigentlich heißen müsste: „Ich will nicht.“ weil ich in meinem Algorhythmus und meinen Gewohnheiten gefangen bin. Es ist oft leichter einfach ein Buch zu lesen, als darüber zu sprechen, dass man ein Buch lesen möchte. Wir neigen dazu, nahezu unser ganzes Leben zu analysieren und zu erklären, anstatt es einfach zu leben. Warum wir es oft nicht tun, oder damit beginnen, ist ziemlich schnell erklärt. Wir sind über Jahrzehnte zu Disziplin und Leistung geprägt worden. Die Angst es nicht zu ende zu schaffen, oder es nicht gut genug zu schaffen, veranlasst uns viel zu oft dazu, es erst gar nicht zu beginnen. Wir fühlen uns in allem was wir tun beobachtet. Lernen wir das abzulegen, werden wir mehr ins Tun kommen und weg vom zu viel Denken.
Ein Beispiel dafür gebe ich sehr gerne:
Nehmen wir das Malen. Dafür konsumieren wir oft Materialien, welche ein Profimaler meist nicht einmal in seinem Fundus hat, nur weil wir denken mit dem perfekten Material wird unser Bild besonders schön. Dann wenn es gut läuft, folgen die ersten Pinselstriche. Und oft reichen die schon aus, um das ganze Equipment in die Ecke zu stellen. Da steht es dann wie ein Mahnmal und erinnert uns immer an unser „Versagen“ unsere nicht vorhandene Disziplin und so weiter. Wir können das mit Instrumenten, Kochutensilien und vielem mehr fortführen.
Jetzt im Jahr 2024 weiß ich, genau diese Sätze und die Beispiele dazu zeigen mir auf, dass genau jetzt die Zeit ist, diesen Menschen, welche sich selbst verloren haben, unterstützend zur Seite zu stehen, und zwar so lange bis dann Sätze ausgesprochen werden, wie z. B. „Ich hatte den Mut und es hat gut getan.“ Oder auch: „Ich hätte das nie gedacht, aber es hat geklappt.“
Warum liegt mein Bestreben darin das von vielen Menschen als Unmöglich ausgesprochene möglich zu machen.
Ganz einfach, weil jeder auch noch so kleine positive Moment, ein jeder noch so kleine Moment von Selfcare und die Erkenntnis zum kleinen gesunden Egoismus ein riesengroßer Gewinn für das Leben des Menschen ist, mit jenen man im Kontakt ist.
Ich kann definitiv nicht jede Person, welche mich beruflich oder privat anspricht erreichen, oder sogar soweit begleiten, dass sie den Mut aufbringt, das eigene Leben wieder bewusst wahrzunehmen und sich selbst wieder an erster Stelle zu stellen, aber ich kann es immer und immer wieder versuchen, weil……
ich selbst das beste Beispiel dafür bin, wie wichtig und wertvoll es ist auf sich selbst zu achten.
wir alle nur dieses eine klitzekleine Leben haben
wir alle Liebe für etwas und jemanden in uns tragen
ich aus meiner Erfahrung heraus garantieren kann, dass es funktionieren kann, wenn man nur wirklich will.
Der sanfte Wille ist der Weg. Kein Druck, kein Zwang, kein selbst Belügen.
Wann beginnt das auf sich selbst achten?
Es beginnt wenn du dich gut fühlst, in dem Moment, wenn du etwas für dich tust:
Ein Bad nehmen mit allen Sinnen (Kerzen, ein duftendes und pflegendes Schaumbad, ein gutes Buch oder schöner Artikel im Handy/Tablett, sanfte Musik und Augenpads, eine Tasse Tee oder ein alkoholfreier Cocktail)
Eine schöne gewaltfreie und entspannende Serie gucken.
Gedanken und schöne Worte in einem Büchlein aufschreiben

Beine hochlegen und entspannte Musik hören oder einfach nur den Vögeln beim zwitschern zuhören
Ein schönes Rezept aussuchen und mit allen Sinnen ohne Zeitdruck die Küche in Beschlag nehmen um es zu kochen oder zu backen. Anschließend an einem schön gedeckten Tisch genießen
Schubladen aussortieren, Schränke ausmisten, sich von alten Dingen lösen.
Träume aufschreiben ohne darüber nachzudenken, dass sie eh nie in Erfüllung gehen. Es gibt so viele kleine Wunder im Leben, welche geschehen. Manchmal ist man so im Außen und von sich selbst entfernt, dass man sie gar nicht wahrnimmt.
Urlaube planen und organisieren. Ich bin kein Pauschalreisender. Ich liebe es jedes Jahr etwas neues zu entdecken. Ein bisschen abseits von den üblichen Destinationen.
Und besonders wertvoll für mich ist es individuell zu bleiben oder besser formuliert zu werden, denn auch ich bin noch viel zu oft im Außen.
Viele allein lebende Personen werden jetzt sagen, dass dies alles aber nur geht, wenn man verheiratet, oder in einer Partnerschaft, oder in einer großen Familie lebt. Hier kann ich euch sagen. Im Gegenteil. Für all die Dinge braucht ihr nur eine einzige Person; und das seid ihr selbst.
Selfcare hat einen Dominoeffekt, welchen ihr bei Beachtung beobachten könnt. Erst werdet ihr skeptisch beäugt werden, vielleicht sogar kritisiert oder belächelt. Schafft ihr es genau dann bei euch zu bleiben und nicht einzuknicken, wird mit der Zeit euer Gegenüber heimlich und leise selbst damit beginnen auf sich selbst zu achten. Und genau dann beginnt das kleine Wunder. Wenn mehr Menschen in einem kleinen Umfeld auf sich selbst achten, schöpfen sie Kraft und Energie und somit verbessert sich auch das Miteinander innerhalb dieser Lebensbubble.
Ich liebe meinen Job und viele fragen mich immer, wann ich mal abschalte. Meine Antwort:
JETZT. 3 Wochen lang im Winter, immer mal wieder eine Woche während des Jahres und immer am freien Tag, bei Feierabend und am Wochenende.
Ich kann gut Urlaub, ich kann gut abschalten, ich kann gut in den Tag leben, ich kann gut mit mir allein sein, ich kann besonders gut nichts tun.
Ich liebe es zu schreiben, wie man gerade lesen kann auch jetzt in meiner Auszeit. Aber das ist mein Faible und somit keine Verpflichtung, sondern ein Hobby, welches ich sehr liebe.
Ich gucke gerade die neue Version von „Der Doktor und das liebe Vieh.“ Sie steht der alten Version in nichts nach. Herrliche Kulisse, verschmitzte Dialoge, entspannte Handlungsstränge. Einfach schön.



Und für mich persönlich sehr wichtig: ich verplane nicht meine ganzen Tage. Manche Dinge lassen sich nicht anders legen als in den Urlaub (Vorsorgetermine etc.), aber diese sehe ich als kleinen Ausflug und die Wartezimmerzeit nutze ich für ein paar Seiten lesen in meinem aktuellen Buch. Ich nehme mir nichts fest vor, sondern lasse Dinge und Situationen geschehen und ich kann mittlerweile auch sehr gut etwas liegen lassen. Wenn es für mich wichtig ist, werde ich es tun. Dieses Vertrauen in mich selbst war mein längster und schwerster Prozess in meinem Leben, aber dieser Weg hierhin hat sich mehr als gelohnt und ich kann ihn nur jedem empfehlen.
Die Natur, das Leben, die Menschen all das hat so viel zu bieten. Ich bräuchte 100 Leben um alles zu erkunden. Mit diesem Wissen habe ich begonnen nicht mehr perfekt sein zu wollen. Ich bin herrlich unperfekt, aber erfüllt und zufrieden mit meinem bisherigen Weg, welcher noch lange nicht zu Ende ist.
In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine schöne und möglichst stressfreie Vorweihnachtszeit.
Mein nächster Blog kommt an Heilig Abend. Ob am Abend, mittags, nachts oder morgens das lass ich auf mich zukommen. Denn dieses Jahr möchte ich euch bewusst mitnehmen auf meine Reise raus aus dem Trauma rein ins Ruhen.

