Ich darf/mach das, weil ich krank bin!

Das Telefon klingelt und eine gute alte Bekannte begrüßt mich vom anderen Ende der Leitung mit den Worten: “ Sag mal hast du ne Minute? Ich bräuchte deinen Rat, denn ich weiß nicht, ob ich langsam durchdrehe oder mein Umfeld!“

Es war ok. Ich hatte Zeit und bat sie einfach zu erzählen……

Um im Flow zu bleiben, schreibe ich hier ihre Erzählungen ohne meine Zwischenfragen oder Antworten fließend durch bis zum Schluss.

Ich versuchte vorsichtig anzusetzen:

Der Irrtum bei der Denkweise, dass jeder welcher nicht in der von einem Gesellschaftssystem vorgegebenen Norm funktioniert, krank ist, ist immens. Denn hierbei geht man ja davon aus, dass es krank ist, sein Leben nicht in ORDENTLICHEN Bahnen zu lenken.

Man sieht eine monogame Partnerschaft nicht als schwierig an, sondern bekommt das Wort Bindungsgestört erklärt.

Man kommt nicht auf die aberwitzige Idee, dass generell Karriere machen ein leicht abstruser Wunsch ist, sondern sieht sich selbst als schlichtweg zu schwach dafür an.

Fehler sucht man in erster Linie bei einem selbst, versucht diese zu korrigieren, sich selbst zu optimieren und weiter geht es.

Die Idee sich aus so genannten „Krise“ rauszuboxen, mag richtig sein; die dafür benannte Bezeichnung Krankheit aber oft eine falsche, da dieser Idealtyp an sich schon eine Farce darstellt. Ständiges Glück ist schlichtweg nicht möglich und dessen Abwesenheit somit eben nicht gleich eine Erkrankung. Mit dieser meist viel zu schnellen Betitelung „Krank“ von Menschen aus dem eigenen Umfeld, welche nicht so funktionieren, wie man es für sich selbst auferlegt oder auch einfach lebt, schlägt den schwer erkrankten Menschen, welche einen immensen Leidensweg durchwandern mitten ins Gesicht.

Eher ist es als krank zu betiteln, folgt man der Denkansicht, dass wirklich alles immer ok ist, das Leben in einem ruhigen Fluss dahinfließt wie ein meditativer Gebirgsbach und alles was dem abweicht, benötigt eine Stempel mit dem Namen Krankheit und Therapie.

Man unterstellt ja auch keinem immer Glücklich daherkommenden Menschen eine Manie und fragt sich was da bei ihnen schiefläuft. Sollte man mal tun. Dann würden sie nachempfinden können wie sich das so anfühlt mit einer einer gestellten Diagnose.

Vergiss nie. Solltest du als Angehöriger das Empfinden haben, dass derjenige sich rausnimmt, während du weitermachen MUSST. Sei dankbar, dass du es kannst und triff auch du deine Entscheidungen, dass das auch so bleibt. Man sollte nicht jeden Menschen gleich als krank betiteln und dennoch wissen, dass der Weg in eine Klinik kein einfacher war und somit kann man mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass wenn man einen nahestehenden Menschen dort besucht, dieser nicht den Anspruch hegt, sich dort mal eine kleine Pause zu gönnen.

Ich kann dir versichern, dass deine Gefühle völlig ok sind du alles Recht der Welt hast über deinen Besuch und die damit einhergehende Thematik der psychischen Erkrankung niemals eine lapidare und einfache ist.

Pass gut auf dich auf. Nimm dich öfter mal raus aus dem Hamsterrad und bleib verrückt, denn das ist völlig normal, solange du oder andere nicht darunter leiden.

Eure

Sue Freund

Avatar von Unbekannt

Autor: Sue Freund

I am simply happy

Hinterlasse einen Kommentar