Generationenkonflikt – die Lunte brennt – können wir Verbindung schaffen, bevor die Bombe zündet?

Wir dürfen gerne ehrlich zu uns selbst sein, wenn wir gerade beginnen diesen Beitrag zu lesen. Es sieht uns ja keiner dabei zu. Verschieben wir nicht gerade alle gewaltig unser eigenes Gefühl und Realität, um dem System Genüge zu tun. Einem System, welches es für den Einzelfall gar nicht gibt.

Denn mal ganz ehrlich, wer sind eigentlich diese NACHBARN, diese CHEFS, diese LEUTE?

Liebe Eltern, und ich spreche nun explizit jene an, welche gerade durch eine wirklich anstrengende Zeit oder sogar Krise mit ihren Kindern gehen. Wann war der Zeitpunkt gekommen, als ihr auf das Funktionieren eurer Erziehungs- oder Vorbildmethode so sehr vertraut habt, dass euer Familiensystem auf Autopilot geschaltet hat. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr mir den Zeitpunkt auf Anhieb nicht nennen könnt, weil er unbeachtet stattfand.

Erst jetzt, wo aller Wahrscheinlichkeit nach der Draht zwischen euch und euren Kindern hauchdünn oder bereits gekappt scheint, dringt da etwas sich noch im Nebel Befindliches langsam zurück an die Oberfläche.

Dieses Reflektieren von vermeintlichen Schlüsselerlebnissen, welche möglicherweise mittlerweile Jahre zurück liegen. Man macht sich Vorwürfe, gibt sich die Schuld an bestimmten Ereignissen. Dabei konnte man es gar nicht einfach so kontrollieren. Denn gerade in der Übergangsphase von der Kindheit ins Teenageralter stecken die meisten Familien mitten drin in der Spirale des Alltagslebens. Gefüllt mit Karriere, Haushalt, sozialen Verpflichtungen, Hobbies, Partnerschaft, Familie und vielen weiteren Komponenten, welche es gilt tagtäglich unter einen Hut zu bekommen.

Bis zum Point Even hatte vermeintlich alles perfekt funktioniert. Das Kind hat einen hohen IQ, Freunde, Hobbies, sehr gute Noten in der Schule. Es gibt keinerlei Probleme in der Familie oder/und zwischen Eltern und Kind. Alles geht seinen Gang.

Die Pubertät schleicht sich ins Haus und plötzlich ist nichts mehr problemlos. Das eigene Kind, welches man meinte gehegt und gepflegt zu haben, scheint in einer anderen Bubble zu agieren. Die Kommunikation fühlt sich an, als wenn man in unterschiedlichen Sprachen miteinander spricht.

Genau zu diesem Zeitpunkt bräuchte es eine kleine Stimme im Ohr, welche einem zuflüstert, dass es jetzt an der Zeit wäre loszulassen, Vertrauen zu haben, sich zurückzulehnen und nur dann in Erscheinung zu treten, wenn die Heranwachsenden ihre ersten Fehler, Probleme oder Fehltritte unterstützend lösen möchten. Diese Phase gibt es nicht mehr. Hat es früher nur selten gegeben und sollte es aber zukünftig öfter geben. Sie kann stattfinden, wenn wir alle wieder beginnen MITEINANDER zu reden und schleunigst damit aufhören ÜBEREINANDER zu reden. Denn all diese wichtigen Erfahrungen müssen alle jungen Menschen machen dürfen um später in der Erwachsenenwelt gut und gesund bestehen zu können.

Die aktuelle Generation Eltern hat oft durch ihre eigenen Traumata in der Kindheit so starke Ängste aufgebaut, dass es nahezu unmöglich für ihre Sprösslinge ist, sich altersgerecht zu entwickeln.

Das Phänomen, welches zunehmend öfter in den Schulen, bei Sportvereinen, oder dann bei Krisen in den entsprechenden Institutionen auftaucht ist folgendes:
Eltern führen ihre Zöglinge wie Dompteure ihre Tiere in der Zirkusmanege zu den jeweiligen Terminen. Das wirkt meist so, als
wenn man einem Wildpferd mit Übermüdung versucht eine S Dressur abzuverlangen.
Wabbliger Händedruck – welcher oft gar nicht mehr gefordert wird – der Blick durch
die Frisur hindurch starr auf den Boden gerichtet. Die 2 bis 3 kleinen Fragen, welche die Lehrer, Trainer, Sozialpädagogen oft stellen
erhalten für gewöhnlich die gleichen Antworten:

„Kann sein“,

„Vielleicht ja, aber vielleicht
auch nein“,

„mir ziemlich egal“,

oder auch gerne mal einfach nur ein „nö“.

Die Eltern daneben von Ängsten getrieben. Sie reden sich um Kopf und Kragen um ihr Kind dort unterzubekommen, wo sie es in ihrer Vorstellung gerne sehen würden. ADHS ist allgegenwärtig, muss immer engmaschiger therapiert und mit Medikamenten behandelt werden, weil das Umfeld nahezu in keinem der Fälle mehr in der Lage ist, ihren Teil dazu beizutragen, dass man auf eine starke Medikation oder engmaschige Therapie verzichten könnte. Zumindest ist dies oft die Forderung, welche die Eltern an das „System“ stellen. Der Therapeut ersetzt die Bezugsperson. Die Vereine und Schulen sollen übermächtiges leisten. Der Staat soll die Verantwortung für dysfunktionale Familiensysteme übernehmen.

Das SYSTEM hat einen Virus und benötigt dringend eine Zurücksetzung auf Werkszustand. Wir haben uns selbst überholt. Sind in überhöhter Geschwindigkeit in die digitale Welt gedonnert. Haben uns zu großen Teilen darin verloren. Zu viel von allem: zu viel TV (Streamingdienste mit Angeboten für 200 Leben), zu viel Lebensmittel überall (täglich werden Unmengen von wertvollen Lebensmitteln vernichtet), zu viel Angebot (das Netz ist voll von Anbietern), zu viel Urlaub, Freizeit, Arbeit, Vermögen, Besitz, Geld, Familie, Freunde……

und während ich das hier alles für euch aufzähle, kommt mir sehr oft das Wort EINSAMKEIT, ALLEIN SEIN zu Ohren. Wie geht das auf? Auf der einen Seite ein Überangebot und auf der anderen Seite immer öfter Leere und Rückzug.

Das passiert, weil wir ALLE täglich Reizüberflutung erleben. Viele von uns können noch ganz gut damit umgehen oder haben bereits ihre Rückzugsmöglichkeiten für sich eruieren können und nutzen diese regelmäßig. Viele von uns, vor allem unsere jüngere Generation tut sich unfassbar schwer sich von all den Reizen abzuschirmen, denn es heißt nicht, dass wenn jemand immerzu zu Hause in seinem Zimmer oder Wohnung ist, dass er reizarm lebt.

Kommunikation ist eines der Schlüssel zu einer Verbesserung der Lebensqualität. Die Zeit der Verbote, Bestrafungen, Demütigungen, Herabwürdigungen, Vorwürfe, Forderungen und Versuche Druck auszuüben muss der Vergangenheit angehören, wenn wir unser aller Leben positiver und verantwortungsbewusster, so wie zukunftsorientierter gestalten wollen.

Sprecht Menschen in eurem Umfeld an, wenn ihr das Gefühl habt, sie durchleben eine Krise, oder wenn ihr denkt, sie sind einsam. Bietet ihnen ein Get together an ohne ergebnisorientiertes Lösungsschema. Wir haben oft das Problem, dass wir die kleinsten Wölkchen sofort auflösen möchten, anstatt erst mal nur dabei zuzuschauen, ob sie sich in dichtere Wolken verformen oder von selbst wieder auflösen. Oft hilft es dem Menschen in der Krise viel mehr, wenn man einfach nur signalisiert, dass man da ist, dass man zuhört, und dass man das Ganze ernst nimmt OHNE es zu bewerten oder sofort lösen zu wollen.

Habt ihr aktuell einen Menschen in eurem Umfeld, wo ihr das Gefühl habt, ihm oder ihr geht es nicht so gut und es macht euch Sorge. Zögert nicht. Wenn ihr euch nicht sicher seid, schreibt mir einfach eine kurze Mail. Vielleicht können wir zusammen eine Idee entwickeln, wie wir der Person unterstützend zur Seite stehen können.

Es ist höchste Eisenbahn, dass wir alle wieder in den Dialog gehen. Nur so können wir in unserem direkten Umfeld Dinge positiv beeinflussen. Falls ihr gerade in einem Generationenkonflikt steckt, welcher euch eurer Nachtruhe raubt, welcher vielleicht dazu beiträgt, dass ihr auf Grund des vermeintlich gehässigen Familienmitglieds zunehmend öfter schlecht gelaunt seid, dann ist es an der Zeit aktiv zu werden. Denn es wird euer Magen sein, euer Blutdruck und eure Lebensqualität welche sich verschlechtert, nicht die der Person, welche euch zornig, traurig oder hilflos fühlen lässt.

Passt auf euch auf.

Eure Sue Freund

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Autor: Sue Freund

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