Die stille Zeit in Aufruhr Teil I

Zitat einer lieben Frau in einer unserer Gruppen. Ich hatte sie natürlich gefragt, ob ich sie zitieren darf. „Immer wenn in den ersten Zeitschriften, TV Reportagen oder Radiosendungen das Thema Stille Zeit angesprochen wird, beginnt bei mir im Kopf die Aufruhr.“

Mit Beginn des 11. Monats des Jahres beginnen sich Gespräche zu verändern. Die Menschen greifen nach ihren Masken und ein Stück Authentizität und Ehrlichkeit geht verloren. Es beginnt die Zeit der Kompromisse, der Zugeständnisse und die Zeit des Aufruhrs im Kopf und im Herzen. Oft geht es sogar so weit, dass schwere Erkrankungen auf Eis gelegt werden, nur um der Pflicht der „Heiligen Zeit“ gerecht zu werden.

Man reißt sich, wie man so schön sagt, dann halt mal zusammen. Die Ambivalenz Gespräch und Handlung wird deutlich sichtbar. Ich hatte in den letzten Tagen und Wochen viele Gespräche mit der Thematik Weihnachten, Feiertage und Vorweihnachtszeit. In diese Gedanken- und Gefühlswelt nehme ich euch nun mal ein Stück mit.

Ich weiß aus meiner langjährigen Erfahrung heraus, dass wirklich keine Krise für immer bleibt. Alles ist in Bewegung, alles verändert sich. Alles entwickelt sich. So durfte ich auch in den letzten Jahren mit Freude feststellen, dass viele Menschen, welche noch vor geraumer Zeit mit ihren Gedanken und Gefühlen schwer zu arbeiten hatten, tief in ihren Erkrankungen gefangen waren, mittlerweile zwar zaghaft aber mit Zuversicht wieder Glück und Freude leben können.

Für unseren Adventskalender haben wir uns mit Betroffenen, sowie Angehörigen unterhalten. Es mag für viele Menschen schwer zu greifen sein, dass man ein Fest auch zelebrieren kann, ohne dass alles perfekt ist. Viele Familien sind auch ohne Erkrankung durch Kontinente oder Ländergrenzen von einander getrennt.

Lasst uns eine kleine Reise machen, in Welten, welche vielleicht nicht perfekt, aber gerade deshalb umso liebenswerter und wertvoller sind.

Weihnachten mit und doch ohne unsere Tochter. Eine Realität, welche wir uns nie hätten vorstellen können und doch ist es nun schon im 2. Jahr Wirklichkeit.

Eine Mutter erzählt:

wir wissen noch nicht, ob wir Weihnachten mit unserer Tochter (14 Jahre alt) gemeinsam verbringen können. Sie lebt auf Grund ihrer Erkrankung (Borderline) in einer therapeutischen Wohngruppe. Das Konzept der Wohngruppe sieht Schließzeiten über die Weihnachtsfeiertage vor. Ebenso über Silvester. Im letzten Jahr hat diese Situation dazu geführt, dass unsere Tochter in dieser Zeit 10 Tage in der geschlossenen Abteilung der Kinder- und Jugendpsychiatrie verbringen musste, weil ein Nachhausekommen noch nicht möglich war. Ob in diesem Jahr etwas anders sein wird, wissen wir noch nicht. Wir hoffen, wir beten, wir träumen und dennoch wissen wir nicht, ob es gelingen wird. Was bleibt uns in dieser Situation? Offen zu sein für die Möglichkeit, die das Leben bietet. Vielleicht ein gemeinsamer Spaziergang aus der Klinik heraus, vielleicht ein gemeinsamer Kaffee an einem neutralen Ort. Möglicherweise doch eine Übernachtung zuhause oder ein Weihnachten komplett ohne unsere Tochter nur mit unserem Sohn (19 Jahre alt), der seine Schwester über alles liebt und den Omas und Opas, die die Situation überhaupt nicht verstehen oder begreifen können. Es ist alles möglich und nichts. Es gibt keine Sicherheit und kein Konzept. Leben bedeutet für uns mittlerweile, die Situation so zu nehmen wie sie ist. Und darauf zu vertrauen, dass sich alles irgendwann zum Guten fügen wird. Mit Liebe begleiten, so schwer es auch sein mag. Freiheit gewähren, damit der Wille wachsen kann und immer wieder zeigen, dass man da ist. Was immer auch passiert. Auffangen, sich und andere.

Eine Mutter erzählt:

Weihnachten werde ich das erste Mal ohne meine Tochter (12 Jahre alt) verbringen. Sie hat sich entschieden nach ihrem Klinikaufenthalt bei ihrem Alkoholabhängigen Vater zu sein. Ihre 4 Geschwister feiern deshalb ohne sie. Ich würde mir wünschen, wenn sie sich in den Feiertagen bei uns meldet. Erzwingen werde ich nichts. Es ist für alle Beteiligten so schon schwer zu ertragen.

Eine Ehefrau erzählt:

Dieses Jahr ist unser Heiligabend schon am 22. Dezember, da alle unsere Kinder bei ihren Schwiegereltern sind. Seit Jahren wichteln wir, also nur kleine Aufmerksamkeiten für einen kleinen Betrag. Jeder bringt etwas mit, ein gutes Getränk, ein Dessert, usw.. Das Weihnachtsessen ist dann schon fertig. Und das ist jedes Jahr so. Also kein Stress, keine Hektik. Nach dem Essen wird dann gespielt. So ist jeder vor allem auch mein Mann (Bipolar) entspannt. Für uns ist es einfach wichtig zusammen zu sein, welcher Weihnachtstag auch immer. Ich lebe seit 20 Jahren mit der Erkrankung meines Mannes und liebe ihn. Hab mein Leben darauf eingestellt und das ist gut so.

Eine Ehefrau erzählt:

Man sollte die Zeit so verbringen, wie man es für sich selbst möchte und nicht versuchen Erwartungen von außen zu erfüllen; sich selbst Raum geben, den man braucht um den eigenen Bedürfnissen gerecht zu werden. Dieses Jahr ist mein Mann (Depressionen) jetzt vor Weihnachten in der Klinik und wir wissen noch nicht wie lang und wie es ihm dann danach geht. Wir lassen es deshalb auf uns zukommen.

Eine Ehefrau und Mutter erzählt:

Durch die Erkrankungen mehrerer Familienmitglieder musste ich dieses Jahr die Reißleine ziehen um nicht selbst auch noch zu erkranken. Der Grad dahin ist sehr schmal geworden. Dadurch, dass bei den Betroffenen auch narzisstische Züge eine Rolle spielen, kann ich weder Verständnis noch Akzeptanz für mein Handeln erwarten. Das bedeutet für mich enorm viel Kraftreserven freizusetzen um selbst unbeschadet durch diese Zeit zu kommen. Es wird ein weiteres Jahr, in welchem ich meine Tochter (nicht behandelte PTBS und Anpassungsstörung) als solche schmerzlich vermissen werde.

Für heute lassen wir die Erzählungen unserer Betroffenen und Angehörigen mal so stehen, bedanken uns für die Offenheit und melden uns in ein paar Tagen mit Teil II.

Begegnungen – liebe die Menschen, denn wenn du sie nicht liebst, sind sie ja dennoch da

Hand Clap/Schulter Clap zwei junger Männer in der Regensburger Altstadt (Samstag Nachmittag) der eine zum andern: du musst so leben wie ich! Überall Binis, kein Geld und Schulden, der andere: wie Schulden? Antwort vom Mann mit den Binis: naja halt Schulden. Ich glaub so 12.000 Euro. Alles gechillt.

Wir spulen mal kurz auf Anfang. Gestern hatte ich mal wieder eine der besten Tagungen/Netzwerktreffen, welche man sich in seinem Job wünschen kann. Es gibt wirklich viele Verbände, welche bestimmt alle ihre Daseinsberechtigung haben, aber es kommt doch immer auch ein bisschen auf die Leitung an. Der Landesverband ApK Bayern gehört definitiv zu den Verbänden mit Herzensmenschen im Vorsitz. Ich bin sehr gerne ein Mitglied davon. Auch gestern konnten an einem einzigen Tag in wenigen Stunden viele wertvolle Punkte bearbeitet werden. Impulse werden gesetzt und es ist immer wieder ein sehr empathisches und menschliches Miteinander. Danke dafür lieber Lapk- Bayern. https://www.lapk-bayern.de/

Wann immer ich die Möglichkeit habe, hänge ich an meine Dienstreisen noch 1 bis 2 Tage dran. So auch jetzt. Das Leben ist endlich und somit will es gelebt werden. Dieses Mal habe ich als Bleibe kein AirBnB ausgewählt sondern ein kleines schnuckeliges Hotel in der Altstadt von Regensburg. Ich wage zu behaupten, dass ich das kleinste Zimmer des Hotels bekommen habe, und da das Gebäude der Altstadt entsprechend auch ALT ist, birgt es auch diesen urigen Charme. Das Frühstück war wirklich sehr gut. Für mich ist es immer enorm wichtig Alternativen zu diesen BRÖTCHEN (welche die Welt um mich rum so liebt) zu bekommen. Denn für mich stehen diese mit Luft gefüllten Wurfgeschosse mittlerweile auf der Beliebtheitsskala für Frühstücksunterlagen ganz weit unten. Die Auswahl war super. Hummus, Rote Bete Aufstrich, Frischcremes, Joghurt, Eier in sämtlichen Varianten, viel frisches Gemüse und Obst und Wasser zusätzlich zu diesen überzuckerten Vitamin- und Orangensäften. Kaffee aus dem Automaten ist mittlerweile überall präsent. Das ist aber ok, für so mal zwischendurch. Besonders schön empfand ich es aber mein Frühstück direkt am Fenster mit dem Blick nach draußen zu genießen. Ich ließ mir auch wirklich 90 Minuten Zeit dafür. Das tat verdammt gut und war ein perfekter Start in den Tag.

Ich hab prima geschlafen im kleinsten Zimmer der Welt und nach dem Frühstück heute morgen hab ich mich mal aufgemacht in die kleinen Gassen bis zum Regensburger Dom. Und ja es gibt sie auch hier und zwar noch viel geballter und zusätzlich zu unserer Bayreuther Variante noch ein klein bisschen aggressiver. Die großen Männer mit den kleinen Hunden, die Mamis mit den Doppelgänger Minimis, die bös dreinschauenden Paare, Familien und Kleingruppen. Aber hier in Regensburg kam noch eine mir bisher fremde Spezies dazu. Die Schicken. Diese Markenjunkies, welche in einer Kopfsteinpflastergasse den Porsche aufheulen lassen und dann mit 80 durch die enge Gasse bis zur Garage brettern. Die Ladies und Gentlemen, welche dich nicht sehen, weil du klein, dick und nicht edel genug gekleidet bist. Sie schieben dich einfach auf Seite, als wenn du unsichtbar wärst. Aber nicht in einer edlen kleinen Boutique, nein mitten im Gewühl von TK Maxx, da wo ALLE Gesellschaftsschichten ihre Konsumbedürfnisse stillen können.

Ich hatte mal wieder so ganz meine eigene Vorstellung von einem Samstag im November in Regensburg. Ich dachte ich mach erst mal ne Stippvisite zum Dom und dann auf dem Rückweg schlendere ich ganz gemütlich mal durch den TK Maxx. Aus ganz gemütlich wurde kurz rein und ganz schnell wieder raus, weil einfach viel zu voll mit wirklich sehr gestressten Menschen in diese (ihr wisst das ja aus meinem ersten Beitrag) riesigen Schals gehüllt.

Im Dom war auch nicht an für ne gute Weile Innehalten zu denken. Schneller als ich mich versah war auch da eine große Menschentraube, welche sich direkt vor mich drängte um nur schnell genug alles erkunden zu können.

So machte ich mich an den Rückweg. Hielt kurz bei DM an um eine kleine Minilichterkette, ein paar Kerzen und 3 Flaschen Wasser für mein Minihotelzimmer zu erwerben. Ich hatte mir nämlich fest vorgenommen es mir dort für heute bis morgen gemütlich zu machen. Und kurz vor meinem Hotel dann die Begegnung mit den beiden jungen Männern mit der Kommunikation meines Einleitungssatzes. Ich muss dazu sagen, dass ich mir ein paar Minuten vor dieser Begegnung bei einer kleinen Rast auf einer Bank den Facebook Beitrag von Radio Mainwelle über die Klimaschutzdemonstration gestern in Bayreuth durchlas. Besser gesagt die Kommentare unter dem Bericht. Ich möchte euch wirklich ein paar dieser geschriebenen Worte nicht vorenthalten. Noch dazu, weil stets davon die Rede war, diese wirklich sehr friedlich demonstrierenden Familien, welche keiner Seele etwas zu Leide tun würden und einfach nur eine Zukunft für Ihre Kinder möchten, bei uns einliefern zu wollen. Man beachte auch diese für mich persönlich mittlerweile nahezu unerträglichen Lachsmileys, welche da immer noch zusätzlich gesetzt werden. Wenn ich ab und an ganz viel Zeit und Muse habe, gehe ich immer auf die Profile und versuche ein Muster zu erkennen. Und das gibt es wirklich. Es besteht aus Katzen, Motorrad, schnellen Autos, und Blumen Profilbildern. Aber wenn man ganz genau guckt, findet man auch die wirklichen Gesichter zu den Kommentaren. Ich bin mir sicher, man begegnet sich mal irgendwo im Leben. (Lachsmiley)

Gott sei Dank bin ich mittlerweile über die Phase hinweg mit solch netten Menschen, welche solche primitiven Kommentare abgeben, in die Konfrontation zu gehen, denn das bringt wirklich überhaupt nichts. Sie möchten bestimmte Aspekte und Fakten einfach nicht verstehen.

Meine lieben Leser, mit Sicherheit gibt es aktuell viele Gründe ängstlich zu sein, Zweifel zu hegen, Einwände bei bestimmten Themen zu haben; Aber es gibt definitiv keinen Grund dafür Menschen einweisen zu wollen, welche friedlich für Klimaschutz auf die Straße gehen.

Und deshalb fand ich es so spektakulär unterhaltsam wenige Minuten später die Unterhaltung dieser beiden jungen Männer mitzubekommen. Sie waren beide sehr gepflegt, attraktiv und so um die 26. Der Kontrast zwischen beiden Szenarien hätte nicht unterschiedlicher sein können.

Ja genau das möchte ich damit sagen. Wir sind eine Welt voller Vielfalt, Individuen, und zuerst einmal sollte man immer das Gute in einem Menschen, sehen, wenn man ihm das erste Mal begegnet. Das hilft einem enorm selbst mit sich im Frieden zu bleiben. Jeder von uns trägt seinen Rucksack, jeder von uns hat sie die Supertage und die Shittage. Jeder von uns ist mal krank und mal gesund. Jeder von uns spricht mal mit Engelszungen und mal mit Schlangenmund. Jeder von uns ist manchmal traurig und manchmal fröhlich. Jeder von uns ist oft mal gut und manchmal schlecht.

Drum überlegt es euch bitte sehr gut, wann ihr euch wie zu was äußert. Wie ihr über andere denkt und sprecht. Was ihr fühlt, wenn ihr Situationen und Menschen begegnet, welche vielleicht einfach nur anders sind als ihr, aber definitiv nicht schlechter.

Abschließend zurück zu meiner Tagung, wo alle Angehörigen aufeinandertreffen, welche sich als Gruppenbegleiter/-leiter, und/oder Verbandsleiter engagieren. Sie alle sind in erster Linie Angehörige von Menschen mit psychischer Erkrankung. Und wir alle kämpfen GEGEN Stigmatisierung, gegen Ausgrenzung und Bewertung. Es gibt sie schlichtweg nicht die Angehörige von guten Kranken und schlechten Kranken. Alle Menschen, egal unter welcher Erkrankungen sie leiden, sind in erster Linie Menschen wie du und ich. Menschen mit guten und schlechten Tagen, Menschen mit Herz und Seele. Vergesst das bitte NIE!!!

Ich wünsche all diesen wunderbaren Menschen, welche tagtäglich mit der Erkrankung ihrer Angehörigen zu kämpfen haben weiterhin die Kraft und Energie, welche sie benötigen um auch genügend auf sich selbst zu achten und sich nicht zu verlieren. Ich wünsche all den Betroffenen die Kraft sich helfen zu lassen, und zu lernen mit der Erkrankung auch ein wertvolles und erfülltes Leben leben zu können.

Begegnungen und was Selbsthilfe kann :-)

Selbsthilfe kann Leben bereichern, Leben wieder einen Sinn geben, das Gefühl vermitteln nicht allein zu sein, die Erkrankung lernen besser zu ertragen, das Gefühl vermitteln, dass andere ebenso fühlen wie du.

Manchmal gibt es Tage, welche so gefüllt sind mit Leben und gleichzeitig begegnet man der Endlichkeit. Einem wird klar, dass die Zeit rennt.

Dann sind sie umso wertvoller die Begegnungen mit Menschen, welche Narben tragen, deren Leben eine Geschichte zu erzählen hat.

Wenn sie dir im Gespräch in die Augen schauen, dann weißt du, das ist Wahrhaftigkeit und pure Realität. Und all diese Menschen befinden sich in der Heilung, sind teilweise geheilt oder haben gelernt damit zu leben niemals ganz zu heilen, aber dennoch unfassbar viel Leben und Liebe zu empfinden.

Begegnungen

Immer öfter bevorzuge ich es mit dem Bus zur Arbeit zu fahren, denn das ist Zeit mit mir selbst, mit der Stille und dem puren Leben um mich herum. Ich möchte eintauchen in die Welt ohne Kapital und Wertekampf. Ich brauch es die Einfachheit von Menschen zu spüren, denn genau sie sind es, welche uns zeigen, was es heißt den Kampf aufgenommen zu haben um dem Leben etwas abzugewinnen, was wir Zufriedenheit und Dankbarkeit nennen können.

Begegnungen

Als ich heute ankam, standen da zwei Grabkerzen und ein Engel unter dem Baum vor meinem Büro und in dem Moment wusste ich, dass dies bedeutet, dass ein Menschlebenslicht, welches mir vielleicht schon mal begegnet war aufgehört hat zu leuchten. Und als ich bei Kollegen sanft nachfragte, wurde es mir bestätigt, dass wir uns mehr als einmal begegnet waren. Es waren Begegnungen der gegenseitigen Akzeptanz, ab und an mal ein Guten Morgen oder schönen Tag noch. Und man hatte sich an die Gegenwart des Menschen gewöhnt. Man schaute sich um an Tagen, wo er nicht an gewohnten Plätzen saß. Danke, dass du da warst und uns begegnet bist. Alles gute für dich, da wo du jetzt bist.

Begegnungen

Ein paar Minuten später eintauchen ins tägliche Business. Die Freude einen Newsletter zu verfassen, welcher mit positiven Ereignissen und Veranstaltungen gefüllt ist. Dankbar für all die Menschen, welche da teilnehmen, wo wir alle zusammen etwas sehr wertvolles bewirken können. Nämlich Menschen helfen, unterstützen, begleiten. Eine unfassbar wertvolle Arbeit.

Begegnungen

Online Seminar für Selbsthilfe mit Selbsthilfevertretern aus den unterschiedlichsten Bereichen. Es ist immer ein Vortrag dabei, welcher einem neuen Spirit, neue Ideen eröffnet. So auch heute. Eine an DIS erkrankte wunderbare junge Frau hat ihre Geschichte mit der Krankheit und ihren Weg in die Selbsthilfe so beeindruckend erzählt, dass wir auch nach Ende des Vortrags noch länger darüber gesprochen haben. Sie hat uns abgeholt. Besonders fasziniert bin ich von den Mutmachleuten. Es lohnt sich auf jeden Fall sich auf ihrer Homepage umzuschauen und vielleicht sogar den Mut aufzubringen der eigenen Geschichte ein Gesicht zu geben. Vor den Vorhang zu treten.

Begegnungen

Das Wetter perfekt für die Jahreszeit. Um 17 Uhr starten wir als Gruppe von 15 Personen zum 13. Walk & Talk. Was einmal als einmaliges Event gedacht war, hat sich bei uns zu einem regelmäßigen Treff etabliert. Ich möchte es nie mehr missen wollen, auch wenn meine Beine brennen, es tut so verdammt gut mit einer Gruppe Herzensmenschen ein Stück des Weges zusammen zu gehen. Dabei entstehen jedes Mal aufs Neue sehr entspannte und liebevolle Gespräche. Ein anschließendes Beisammensein ist mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Ich kann gar nicht oft genug Danke sagen, dass wir alle uns so nehmen wie wir sind. Ohne Wertung, ohne Anklage. Einfach sein dürfen.

Das ist es worum es in der Selbsthilfe geht. Vor ein paar Jahren zu Beginn meiner Arbeit hatte mir einmal in einem Gespräch eine liebe Gruppenvertreterin einen Satz gesagt, welcher zu unserem Leitsatz wurde.

Ich fühl wie du

Und dieses „ich fühl wie du“ ist in unseren Gruppen überall präsent. Es trägt die Menschen durch die gemeinsame Zeit, welche wir bei unseren Treffs verbringen. Heute sag ich somit wieder einmal DANKE für eure Zeit, für euer Sein, für eure Offenheit und euer Vertrauen, welches ihr mir und unserem Haus schenkt. Wir haben es uns zum Auftrag gemacht dies niemals zu vergessen und immer unser Bestes zu geben um euch zu begleiten, zu unterstützen und uns gemeinsam immer Besser zu machen,

besser in unserem Auftrag zu entstigmatisieren, zu fördern, zu begleiten, zu verstehen und aufzuklären. Je mehr wir präventiv aufklären und zuhören, desto besser können Betroffene und Angehörige mit der Erkrankung und der Krise umgehen lernen.

Der Anteil daran ein erfülltes, ein fröhliches und krisenfreies Leben zu führen wird größer werden. Das ist unser Ziel und unsere Mission.

Eure Sue Freund

Fang mich, wenn ich falle und lass mich los, dass ich fliegen kann – Angehörige von Menschen in psychischen Lebenskrisen oder mit psychischen Erkrankungen

Wir leben aktuell in einer Zeit der Parallelen, fließenden Übergänge und Überschneidungen. Vieles vermischt sich, wirbelt durcheinander und zeitgleich versuchen wir uns zu sortieren, Strukturen zu erarbeiten, an welchen wir uns orientieren können. Dabei verlieren wir oft den Bezug zu Sinnlichkeit, Entspannung und dem Einfach Sein.

Generationenübergreifend stecken wir in einem Mühlenrad der 1000 Einflüsse fest. Immer den Fokus auf Kontrolle und Perfektionismus ausgerichtet. Wir tun uns leicht damit andere zu beobachten und zu bewerten, weil dies von unserem eigenen Sein ablenkt.

Wir geben und wir nehmen uns nichts. Dennoch gibt es einen gravierenden Unterschied. Die jungen Menschen haben Jahrzehnte vor sich, Jahrzehnte im Berufsleben, Jahrzehnte als Partner, Jahrzehnte als Eltern, während wir nach Jahrzehnten der Partnerschaften, Arbeitsjahre und Elternjahre langsam und sanft in die Zuschauer- und (wenn gewünscht) Ratgeberposition treten sollten.

Man muss unfassbar vorsichtig mit Äußerungen bezüglich eigenem Handeln und Denken sein, denn sehr schnell fühlen sich Menschen, obwohl sie körperlich und geistig ausgelaugt sind, aufs Abstellgleis verbannt. Nicht müde werdend wiederholen sich Mantras wie: „Ich bin so froh, wenn ich meine Ruhe habe“ zeitgleich mit: „Man meldet sich überhaupt nicht mehr bei mir.“ Ambivalenz ist das Credo unserer Generation und zwar nahezu in allen Belangen. Zu schnell geht man in Gesprächen in die Wertung.

Viele Reibungspunkte innerhalb der Familie/Partnerschaft können ein starker Faktor sein um Erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen in ihrer Intensivität und in ihrem Ausbruch zu beschleunigen.

Oft handeln Angehörige aus der eigenen Angst, Unwissenheit und Verzweiflung heraus gereizt und fordernd. Man versucht das eigene Lebensmodel dem Betroffenen überzustülpen, in der Hoffnung, dass es greift und der Zustand sich so nicht verschlimmert, vielleicht sogar verbessert. Dabei vergisst man schnell wie viel Luft und Freiheit man selbst benötigt um zufrieden und gesund das Leben zu leben, welches man sich aufgebaut hat.

Dieses Handeln kann in manchen Fällen sogar Früchte tragen. In den meisten Fällen jedoch verschlechtert es den Zustand des Betroffenen.

Wir alle ohne Ausnahme leben in unterschiedlichsten Verbunden zusammen. Familie, Beziehung, Wohngemeinschaft, Arbeitsumgebung, Verein usw.

Würde jeder, welcher in seinem Umfeld eine in einer psychischen Krise befindliche Person hat, umgehend Unterstützung und Rat bei ebenfalls betroffenen Angehörigen (Selbsthilfegruppen, Ansprechpartner für Angehörige in Kliniken, Krisendienste) suchen, könnten wir eine hohe Prozentzahl an akuten Einweisungen vermeiden und/oder strukturierter und für den Betroffenen entlastender agieren.

Es bestünde die Möglichkeit sehr viel mehr Präventivarbeit zu leisten und somit aufkommende Krisen früher und besser zu erkennen. Je mehr Psychoedukation stattfindet, desto besser kann man reagieren.

  Wir haben mittlerweile ein gutes Netz an psychosozialen Diensten, welche auch Gott sei Dank vermehrt in Anspruch genommen werden. Oft geschieht dies aber immer noch viel zu spät.

Es bedarf  noch viel mehr Akzeptanz  in unserer Gesellschaft für psychische Krisen und Erkrankungen. Der Scham Angehöriger ist oft viel zu groß, um sich frühzeitig Unterstützung und Rat zu holen. Oft muss es erst zu einem akuten Ausbruch der Erkrankung kommen, bis der Handlungsdrang so stark ist, andere Personen, unterstützende Dienste, Selbsthilfegruppen oder Ansprechpartner in Kliniken und Gesundheitseinrichtungen zu kontaktieren.

Wir arbeiten auf Hochdruck daran diese Situation zu verbessern. Nutzen Sie die Möglichkeit und kontaktieren Sie entsprechende Stellen frühzeitig,  um präventiv informiert und angemessen handeln zu können. Das entlastet die in den meisten Fällen eh schon sehr stark  angespannte Situation zu Hause enorm.

Auch erkrankte Menschen können ihre eigene Situation zuhause verbessern, indem sie den Angehörigen darum bitten, sich intensiver mit dem Krankheitsbild zu beschäftigen und dementsprechend Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.

In akuten Phasen zögern Sie nicht den Krisendienst Oberfranken zu kontaktieren. Jeder Anruf wird beantwortet, falls besetzt, sprechen Sie bitte auf den Anrufbeantworter. Telefonnummer ist die 0800 655 3000

Gerne können Sie auch die Ansprechpartnerin für Angehörige bei der GEBO Oberfranken unter der Nummer 0921 283 2090 kontaktieren. Hier ist ein zeitnaher Gesprächstermin für Angehörige von psychisch erkrankten Menschen möglich.

 

Lieber Schatz…..

reizender Fund in einem Bücherschrank – Liebeskorrespondenz unter besonderer Berücksichtung der gesellschaftlichen Sitte und des feinsten Taktes

Beispielbrief aus dem Kapitel – Die Korrespondenz zwischen Liebes- und Brautpaaren aus dem Jahre 1911 (Emanzipation früher und heute)

Lieber Paul!

Ich muss mich heute in einer sehr ernsten Angelegenheit an dich wenden, die mein Herz ganz unsagbar beschwert. Meine Mutter hat zufällig erfahren, dass du vor etwa zwei Jahren Beziehungen zu einem Mädchen aus gutem Hause unterhalten und diese abgebrochen hättest, trotzdem sie ziemlich weit gediehen gewesen wären. Das betreffende Mädchen soll dadurch nicht nur in ihren Empfindungen, sondern auch in ihrer Ehre geschädigt worden sein. Lieber Paul, du kannst dir denken, wie unliebsam ich durch diese Mitteilung überrascht bin. Meine Mutter nimmt diese für bare Münze und macht mir jetzt den Vorwurf, dir zu viel Vertrauen geschenkt zu haben. Ich aber will noch der Hoffnung Raum geben, dass der wahre Sachverhalt vielleicht denn doch anders liegt. So, dass ich an deinem Charakter nicht zu zweifeln brauche. Aber trotzdem würde ich mich durch diese Sache noch immer sehr bedrückt fühlen, und zwar dadurch, dass du mir nicht selbst Mitteilung von diesen bestandenen Beziehungen gemacht hast. Es beschämt mich unendlich, erst auf Umwegen davon zu hören. Hätte ich den wahren Sachverhalt durch dich gewusst, dann wäre ich vielleicht imstande gewesen, meiner Mutter in Wahrung deines Ansehens entgegenzutreten. Dass ich von dieser Sache gar nichts wusste, war für die Mutter eine Art Beweis dafür, dass die ihr zugekommenen Mitteilungen auf Wahrheit beruhen.

Nun dringe natürlich auch ich darauf, dass du mich mit dieser Angelegenheit ganz genau bekannt machst und bitte dich inständigst, mir nichts zu verschweigen. Paul, so sehr ich dich liebe, kann ich dir den schweren Vorwurf nicht ersparen, mir diese Beziehungen verschwiegen zu haben. Und noch etwas muss ich dir sagen: Selbst meine innigste Liebe würde nicht hinreichen, um mich die Frau eines Mannes werden zu lassen, der an einer anderen unschön gehandelt oder sie gar unglücklich gemacht hat. Und so bitte ich dich um die volle Wahrheit. Auch wäre es mir sehr lieb, von dir den Namen des betreffenden Mädchens zu erfahren. Wie froh wäre ich, wenn du gerechtfertigt dastehen würdest! Dann würde ich versuchen dir zu verzeihen, dass du mir etwas aus deinem Vorleben verschwiegen hast. Aber solange ich von dir keine vollkommen beruhigende Aufklärung habe, ist meine Seele ein Spielball quälender Sorge. Also antworte umgehend deiner dich in Ungeduld verzehrenden Wilhelmine

Wie würde dieser Brief der Wilhelmine heute im Jahre 2024 aussehen? Um umwerfend ehrlich zu sein, möchte ich mir das jetzt nicht ausmalen. Ich habe ein paar weitere Zeilen in diesem Buch gelesen und es hat etwas in mir bewegt. Ich würde mir wünschen, dass ein klein bisschen dieser Wortwahl und Formulierung wieder an aktiven Gebrauch zunimmt. In einer Zeit, in welcher die Gesellschaft immer mehr verroht. In einer Zeit in der Frauen mittleren Alters (Mütter, Ehefrauen, Katzenmamas und viele andere Konstellationen) in Internet und auf der Straße wüten, mit Worten und Sätzen, wie ich sie hier nicht ein einziges Mal wiedergeben möchte. Wenn wir vielleicht jetzt und hier ein bisschen in Ruhe in uns gehen, spüren wir eventuell ein bisschen von diesem Flair, diesem Niveau, dieser Ehre und dieser Anmut. Seid mutig wieder ein bisschen mehr Sanftheit und Liebreiz euren Partnern gegenüber an den Tag zu legen. Viele werden es euch danken. Euch allen einen schönen liebevollen Abend.

Begegnungen – Samstag – Okt – 2024

Begegnungen und Gedanken und wie ich sie für mein positives Mindset nutze

Ich tauche so selten ein in den Samstagnachmittagstrubel in unserer Innenstadt, dass wenn es dann mal wieder passiert ich mit jedem Mal einen neuen Laden, ein neues Restaurant oder Café entdecke. Heute war es mal wieder Zeit für dieses Auftanken an Selbstwert und -liebe. Mittenrein in die Gesellschaft. Still und leise, allein nur für mich. Beobachten. Wirken lassen.

Überdimensionale Schals bei fast 20 Grad plus am 18. Oktober 2024. Warum? Diese Frage stellte sich mir heute am Marktplatz meiner Heimatstadt. Was passiert da in den Köpfen dieser Damen. Unten Sneakersocken und Sneaker, oben Fleecejacke und Schal in der Größe eines Badetuchs. Ich musste schmunzeln bei dem Gedanken an mein Tüchlein, welches ich selbst trug. So dünn, dass es eigentlich nur als Farbtouch diente. Während andere also zu frieren schienen, kämpfte ich mit meiner gefühlt seit Jahrzehnten anhaltenden Hitzewelle innerhalb meines Körpers.

Meine nächste Beobachtung richtete sich auf unsere geliebten Vierbeiner. Meine Gedanken und Frage hierzu: warum nehmen Männer kleine Yorkshires, Chihuahuas an der kurzen Leine (wirklich große, muskulöse Männer) mit in die Stadt, rein ins Gewühl. Man sieht den Hunden den Stress an. Sie wirken nicht entspannt. Werden gezerrt und gezogen. Gleicher Zeitpunkt viele junge Menschen aller Nationen, mit Kopftuch, ohne Kopftuch, alle zusammen, fröhlich zusammen flanierend, lachend. Das tut gut, sehr gut. Zeigt mir doch meine eigene Generation viel zu oft ein ganz anderes Bild.

Ich pausiere meinen Spaziergang unter den Bäumen vor unserem ehemaligen Hertiekaufhaus (jetzt aktuell Galeria Karstadt, Kaufhof, oder wer auch immer gerade dieses Haus verwaltet). Und wieder stellt sich mir eine Frage: warum tragen viel zu viele Frauen Schuhe, welche ihnen nicht passen, in welchen sie nicht laufen können, welche sichtbar Schmerzen beim gehen verursachen? Dazu Kleidung, welche nicht passt. Welche zu eng ist, einschneidet, spannt und zwickt. Es erschließt sich mir nicht, ganz egal wie sehr ich es auch versuche zu verstehen.

Etwas später verweile ich wieder für ein Päuschen auf der anderen Seite des Platzes und achte sehr intensiv auf all die vielen Menschen und ihre Gesichter. Es ist Samstagnachmittag. Das Wetter könnte nicht angenehmer sein. Mild, trocken und ab und zu spitzt die Sonne durch die Wolken. Aber ich benötige 10 min bis eine Gruppe Jugendlicher verbeihuscht und bei ihrer regen Unterhaltung lächelt. Viele Pärchen, Familien und Einzelpersonen vorher taten dies nicht einmal ansatzweise. Mir bot sich ein Anblick getränkt mit Skeptik, Missmut, Verbitterung und Frust. Jedoch waren all diese Menschen privat in ihrer Freizeit in der Stadt zum Eis essen, shoppen oder einfach bummeln unterwegs. Sollte dies nicht etwas Schönes sein?

Seit vielen Jahrzehnten gibt es sie schon diese Rolltreppe im „Hertiehaus“. Schon als Kind bin ich sie nach oben und wieder runtergefahren. Heute wollte ich diese Gefühl mal wieder erleben. Das Quietschen erinnert daran wie alt die gute Treppe nun schon ist. Aber sie steht uns Konsumenten nach wie vor treu zur Seite. Im 4. Stock stand ich vor einem Karton Weißweingläsern. Ich besitze ein einziges Weißweinglas. Aber schnell war mir klar, dass dieser Karton nicht seinen Weg in mein Zuhause finden würde. Denn a) trinke ich viel zu selten überhaupt Alkohol und wenn dann b) schon gar keinen Weißwein mit 5 weiteren Personen. Ich war stolz mit leeren Händen wieder gen Ausgang zu geschlendert zu sein.

Beim Duft aus der Parfümabteilung blieb ich hängen. Gedanken. Stehle ich meinem Mann kostbare Lebenszeit, entziehe ich ihm Glück, weil ich nicht die Frau mit den Highheels, den 20 Parfümsorten und den knappen Minis geblieben bin. Ok, wir haben 25 Jahre später, aber ganz ehrlich. Es gibt ne ganze Menge Frauen, welche auch mit 57 noch wie 25 scheinen. Gedanken. Schnell komm ich zu dem Schluss, dass ich mich aber so überhaupt nicht wohl fühlen würde.

Wieder eine kleine Pause auf einem der vielen Bänke (ich bin sehr positiv gestimmt die Innenstadt schon sehr bald wieder zu besuchen, weil man wirklich alle paar Meter eine kleine Sitzrast einlegen kann) und dieses Mal richtet sich mein Fokus auf die Mütter/Väter mit ihren kleinen Kindern, welche oft das Outfit der Eltern als Minime Kopie tragen. Schuhe, welche nicht zum laufen lernen geeignet sind, Jacken, welche vielleicht in 3 Jahren die Größe des Kindes erreichen. Stirnbänder, welche über die Augen rutschen, Hosen, welche auf dem Boden mitgeschliffen werden, weil noch viel zu groß. Der Frust dieser kleinen Minimodels ist groß, so groß, dass sie friedlich da liegende Neufundländer einfach anbrüllen, auf sie zu rennen, sie wieder anschreien. Die Eltern stehen einfach da und schauen schweigend zu. Warum?

Eine neue Gruppe junger Menschen kreuzt meinen Pausenplatz. In den Händen Plastikbecher mit Plastikdeckel und Plastikstrohhalm. Der Inhalt ist irgendeine quietschbunte Masse. Es nennt sich Tee, sieht aber nicht so aus und hat auf um ein vieles mehr Zusätze als der uns bekannte Tee. Es gibt eigens einen Laden im Rotmaincenter dafür Plastik (es ist bestimmt auch ein Anteil an natürlichen Zutaten in dem Getränk vorhanden, die Farben jedoch sprechen eine andere Sprache) in Plastik zu verkaufen. Gedanken.

Die schönste Begegnung an diesem spannenden Tag war eine ganz liebe alte Bekannte. Polytox, schwerbehindert, Pflegegrad, betreut, und 100% Mensch und Herz. 30 Minuten Menschlichkeit, wertschätzend, herzlich und sehr entspannte Unterhaltung, welche meinen Tag bereichert hat. Ich habe mich sehr gefreut sie in einem solch guten Zustand mit unfassbar lebensfrohem Lächeln und strahlenden Augen zu treffen. Danke dir liebe S.T. für diese wundervolle Begegnung auf den Sitzbänken unter der Baumallee vorm „Hertie“.

Während ich auf den Bus warte scrolle ich durch Facebook. Headline bei Mainwelle und Kurier. „Toter bei Nordring in Bayreuth aufgefunden“. Kommentare darunter grenzwertig. Kein Wort von Mitleid oder Beileid. Stattdessen Diskussion über die Korrektheit des Berichts. Ich verlasse sofort wieder dieses soziale Medium und das sollten viele Menschen viel öfter tun. Bevor sie irgendwelche Kommentare verfassen, sollten sie sich lieber ein Jäckchen anziehen und durch den Wald spazieren. Das würde uns allen sehr gut tun.

Kurz bevor mein Bus eintrifft beobachte ich auf der Nebenbank eine Dame mit einer Art Reisetasche. Ein paar Sekunden später holt sie einen kleinen Yorkshire da raus, welche komplett (eingetütet würde es treffend formulieren) angezogen ist. Er trägt ein Regencape, welches auch die Beinchen involviert, ebenso wie das Köpfchen. Wir haben fast 20 Grad und kein Regen weit und breit in Sicht. Er darf kurz mal laufen, dann wieder husch ins Täschchen. Warum?

All diese Begegnungen und Beobachtungen schenken mir Dankbarkeit, Demut und Frohsinn. Denn all dieser Stress, dieser Zwang, dieses Müssen, das alles brauch ich nicht um zufrieden zu sein, um Glückmomente zu empfinden und Liebe zu geben. Was schenkt euch Liebe und Frohsinn?