Es menschelt sehr

Manche Monate sind so randvoll gefüllt mit Fortbildungen, Netzwerktreffen, Tagungen, Jubiläen und Informationsveranstaltungen, dass man eigentlich am liebsten ALLE absagen würde, die Decke über den Kopf ziehen und sich mal für ne kurze Weile ausklinken möchte. Genau zu diesem Zeitpunkt geige ich meinem inneren Schweinehund mal so richtig gehörig die Meinung, denn es war bisher immer so, dass sich gerade diese Veranstaltungsdichte als besonders effizient herausstellte. Gewinnbringend für meine Arbeit, welche aus vielen dieser Vorträge Energie und neue Impulse zieht.

In den letzten Monaten habe ich sehr viele Gespräche geführt und es kam immer das Thema fehlende Empathie und nicht mehr vorhandene Menschlichkeit zur Sprache.

Ärzte wären nicht mehr in der Lage sich Zeit zu nehmen, Therapeuten würden nicht verstehen, dass die Angehörigengespräche wichtig wären. Das Pflegepersonal in den Kliniken wirkt nur noch müde und abgespannt. Und während man diese Thematik korrespondiert, hebt sich der Zeigefinger zum mahnenden Ausdruck, dass die da oben doch nun endlich mal handeln müssten, bevor das Ganze noch gegen die Wand fährt und man überhaupt gar kein Gesundheitssystem mehr hätte.

Tief verstrickt in Konditionierungen, Symbiosen, Symptome und dysfunktionale Systeme, ruft die kleine Stimme nach Gehör und der Betroffene /Angehörige möchte sichtbar sein. Möchte, dass man versteht wie sich die geläuterte Seele fühlt.

Auch wenn ich dieses Wort nicht gerne nutze. In diesem speziellen Fall passt es dennoch so gut. ABER!!!

Aber es gibt sie, die Menschen, welche etwas bewegen, welche Räume schaffen für die Betroffenen und die Angehörigen, damit all die Fachkräfte spüren dürfen, dass es da Entlastung geben kann, dass sie nicht allein sind, dass man sie unterstützt, wenn sie es denn benötigen und/oder möchten.

Am 10./11. Oktober durfte ich und meine Stellvertreterin unseres Angehörigentreffs zu Gast sein in München bei der Landestagung des ApK Bayern e.V.

Wir durften den Worten von Prof. Dr. med. Josef Bäuml (ehemaliger leitender Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München) lauschen.

Er machte in seiner sehr ergreifenden Rede am 10. Oktober anlässlich des Jubiläums (35 Jahre ApK Bayern e.V.) und in seinem Vortrag am 11. Oktober anlässlich der Landestagung des ApK sehr klar, wie wichtig es ist die Angehörigen psychisch Erkrankter in die Behandlung mit einzubeziehen. Er nannte sich selbst einen Angehörigenfan, und er würde zu gerne diesen Status noch vertiefen und zum Angehörigenultra werden, da er es als immer existenzieller sieht, dass die Familie/Partner Teil der Therapie werden.

Ein paar kurze Ausschnitte aus den Vorträgen vom 10./11. Oktober mit Stimmen aus dem Publikum:

„Angehörige täuschen sich kaum, unerfahrene oder ermüdete Profis hingegen immer öfter.“

„Wenn Angehörige sagen, es ist noch nicht soweit, dann ist es noch nicht soweit, denn die Angehörigen sind es, die die Erkrankten zuhause auffangen müssen. Angehörige sind die größte Rehaeinrichtung.“

„Wenn man Angehörige mit einbezieht und wertschätzt, kann aus Beschimpfung und Wut des Betroffenen, sehr schnell Entlastung und Verständnis für die Behandlung werden.“

„Wir können Schwerkranken nur helfen, wenn wir es schaffen die Angehörigen mit einzubeziehen.“

„In skandinavischen Ländern sind die Angehörigen per Gesetz ein fester Bestandteil der Therapie.“

„Was man nicht kennt, kann man auch nicht gut beurteilen. Screen Shot eines Augenblicks lässt oft falsche Schlüsse auf die Eltern/Partner etc. zu.“

„Angehörige müssen herzlich Willkommen sein und sollten niemals abgelehnt oder weggeschickt werden. Auch wenn sie zu einem ungünstigen Zeitpunkt auftauchen (Therapiesitzung oder Visite).“

„Es ist aber auch sehr wichtig den Ärzten und Therapeuten Empathie und Verständnis entgegenzubringen, denn auch sie befinden sich in einer Sandwich Situation.“

Ralf Bohnert vom Krisendienst Mittelfranken hielt neben des aufklärenden Beitrags von Anna Margin über Grenzen der familiären Hilfen und der Bedeutung professioneller Hilfen, sowie einer Podiumsdiskussion mit betroffenen Angehörigen über ihre Erfahrungen im Kliniksetting, einen sehr interaktiven Vortrag zu der Thematik, was tun wenn die Situation brenzlig wird? Wie kann ich zuhause deeskalieren, wenn der/die Betroffene in eine akute Krise schlittert.

Ihm war es sehr wichtig dem Publikum zu vermitteln, dass es auch oft hilft die eigene Sichtweise auf die Person, welche betroffen ist, zu verändern.

„Patienten sind oft in ihrem Bauplan der Seele empfindlich und verletzlich und dennoch sind es genau sie, welche so viel Talent und Kreativität in sich tragen.“

„Mit dem Gefühl etwas Besonderes zu sein, kann man besser durchhalten, als mit dem Gefühl abgeschoben zu werden.“

Es ist durchaus möglich, dass Angehörige trainieren können die betroffene Person aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, durch die Krankheit hindurch den Menschen dahinter wieder zu entdecken. Ein Gefühl dafür zu entwickeln, dass die akute Phase auch wieder vorbei gehen wird.

Austausch über praktikable Anwendungstechniken, ein gegenseitiges Verständnis und viel Empathie für den jeweils Anderen erfährst du in den vielen Angehörigenselbsthilfegruppen bayernweit. Auch bei uns in Bayreuth. Nähere Infos dazu bei uns auf der Homepage.

http://www.gebo-med.de/unternehmen/kooperationen

Danke an all die wunderbaren Mitarbeiter des ApK Bayern e.V. An Charlie für seinen unermüdlichen Einsatz im Vorstand ebenso wie an Kaveh, Alexandra, Cordula und Sabrina für ihre hervorragende Organisation und Arbeit mit und für alle Angehörigen in Bayern.

Ein paar Tage später waren wir wieder unterwegs zum bayernweiten Austauschtreffen für ausgezeichnete Kliniken und solche die es werden möchten. Hier trafen Vertreter aus den Selbsthilfegruppen, Mitarbeiter der Selbsthilfekontaktstellen und Selbsthilfebeauftragte der Gesundheitseinrichtungen zu einem sehr gut organisiertem Austauschtreffen aufeinander.

In kurzen Impulsvorträgen erklärte Ines Krahn vom Netzwerk Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen und Prof. Dr. Dominikus Bönsch, ärztlicher Direktor vom Bezirksklinikum Lohr am Main, warum es sich auf jeden Fall lohnt selbsthilfefreundlich zu werden, zu sein und zu bleiben.

Die Versorgung in Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe wird sichtbar menschlicher, wirksamer und verständlicher. Patienten wie Angehörige profitieren von mehr Transparenz, mehr Möglichkeiten einen Ansprechpartner für ihre Belange und somit eine zügigere Klärung für ihre Themen zu erhalten.

Anfragen verlaufen seltener ins Leere. Die Gesundheitseinrichtung ist in der Lage mehr Alternativen zu bieten und somit eine engmaschige Versorgung neben der professionellen Behandlung zunehmend mehr zu gewährleisten.

Nicht ohne Stolz können wir bei solchen Austauschtreffen feststellen, dass wir als Gesundheitseinrichtung in Bayreuth unsere Auszeichnung mit sehr viel wertvollen Inhalt füllen und dies auch oft als gut funktionierendes Beispiel lobend erwähnt wird. Wir bieten Informationsstunden auf den Stationen an, wir beherbergen allein in unserer Klinik fast 20 Selbsthilfegruppen. Wir kooperieren freundschaftlich und partnerschaftlich mit unserer Selbsthilfekontaktstelle, walken & talken einmal im Monat mit Patienten, SHGs Teilnehmern und allen Interessierten und wir bieten von dienstags bis freitags für unsere Angehörigen eine Ansprechmöglichkeit.

Danke liebe SEKO Bayern (Irena, Maria, Barbara, Stefanie u.v.m. ) liebe Ines Krahn vom Netzwerk und liebe Alex von der Selbsthilfekontaktstelle Bayreuth für euer unermüdliches Engagement, für eure unverzichtbare Arbeit und eure empathische Zusammenarbeit mit uns als Gesundheitseinrichtung.

Last but not least stand am Samstag dann unsere hauseigene Veranstaltung als Abschlussevent des vollgepackten Oktobers an. Unser Austausch- und Informationsnachmittag für Betroffene und Angehörige fand dieses Mal im Rahmen der Wochen für seelische Gesundheit statt und war ein rundum gelungener Nachmittag.

Wir durften 3 sehr tiefgehenden Impulsvorträgen unser Gehör und unsere Aufmerksamkeit schenken.

Bereits beim Austausch gegen Ende der Veranstaltung bekamen Referenten sowie wir als Veranstalter sehr emotionale Komplimente.

Nach Rücksprache darf ich ein paar Kommentare, welche mich bereits kurz nach Veranstaltungsende erreichten, hier teilen.

U.H. „Vielen Dank, dass du diese tolle Veranstaltung organisiert hast. Mein Kommen hat sich echt gelohnt! Der Vortrag über Diversität hätte viel mehr Zeit haben können. Da bräuchte es mal einen ganzen Tag. Umso eindrücklicher waren die beiden anderen Impulsvorträge. Und auch dein Thema der Symbolträger fand ich faszinierend. Da hat man ein „verhaltensauffälliges“ Kind und erkennt, was wirklich dahinter steckt. Danke nochmal!“

W.S. „Vielen Dank für diese wirklich gelungene Veranstaltung. Alle 3 Vorträge und dein kurzer mit dem Symptomträgern der Familie hat mich sehr beeindruckt. Ich habe noch lange darüber nachgedacht, als ich Zuhause war und mich ein bisschen selbst reflektiert. Jetzt geht es mir bedeutend besser.“

C.A. „Sehr beeindruckend fand ich den Vortrag über Essstörungen und Diversität. Berührt hat mich die Geschichte des empathischen Mannes über seine Sucht. Und danke dir für den Impuls über Symptomträger im Familiensystem. Eine wirklich sehr gelungene Veranstaltung.“

Auch unsere 3 Referenten ließen ein paar lobende Worte da:

Christian: „Euch allen vielen Dank für den wunderbaren Nachmittag. Es war super spannend euch zuzuhören und wir hatten einen so tollen Austausch. Ich fand die Veranstaltung sehr gelungen und total bereichernd.“

Bulli: „Vielen Dank, dass ich ein Teil von diesem Nachmittag ein durfte… auch vielen Dank an meine Mitredner….. tolle Menschen, die mir mit ihrer Authentizität gezeigt haben, dass ich auch Defizite habe, an denen ich arbeiten kann… und vielen Dank liebe Susi an dich… dass ich meine Batterien und meinen Akku bei euch und mit euch aufladen konnte.“

Sabrina: „Ich fand den ganzen Nachmittag wirklich sehr schön. Die Orga von dir Susanne war klasse, die Zuschauer waren so interessiert, so freundlich und die ganze Zeit voll dabei. Mit Christian und Bulli habt ihr so tolle Referenten eingeholt. Ich hätte beiden ewig zuhören können und es hat nicht nur meinen persönlichen Horizont erweitert, sondern auch meine Seele erfüllt. Danke hierfür.“

Sabrina Scharf Ausschnitt aus ihrem Impulsvortrag Essstörungen
Christian Brodmerkel Ausschnitt aus seinem Impulsvortrag Diversität Sensibilisierung
Charalambos Thomaidis (Bulli) Ausschnitt aus seinem Impulsvortrag Sucht

Vielen lieben Dank allen 3 Referenten für ihre Impulsvorträge, welche es geschafft haben die Aufmerksamkeit des Publikums zu keiner Sekunde zu verlieren.

Ich möchte ebenfalls abschließend zu diesem Beitrag allen Ehrenamtlichen, Kollegen, Patienten, Angehörigen, Betroffenen und all den wunderbaren Menschen, welche Interesse daran zeigen für andere da zu sein, ein offenes Ohr zu schenken oder andere Menschen in schweren Lebenskrisen nicht allein zu lassen einfach nur ein dickes DANKE sagen.

Wir lesen uns bald wieder.

Eure Sue Freund

Wer ist eigentlich diese Gesellschaft?

Ich glaube, dass es in den vergangenen Jahrzehnten nicht viele Tage gab, an dem ich nicht mit Sätzen wie z. B.

„Das macht man so“

„Die Gesellschaft ……“

„Das System setzt einen unter Druck.“

„Man kann doch nicht einfach…“

konfrontiert wurde. Oft so ausdrucksstark in der Betonung, dass auch mir kurzweilig der Wille fehlte, diesen Worten etwas entgegenzusetzen und das obwohl ich mir fest vornahm, diese Sätze nicht mehr einfach so stehenlassen zu wollen. Nicht mehr hinnehmen, nicht mehr annehmen, was doch eigentlich nur im Kopf des Einzelnen stattfindet und es somit in der Masse zu dem wachsen lässt, was es jetzt ist.

Eine Stimmung und eine Dynamik, welche eigentlich tödlicher und krankmachender ist als der Krieg an sich, welcher in so vielen Ländern dieser Erde gerade tobt. Der Krieg ist sichtbar, es ertönen Sirenen und die Menschen flüchten in die Bunker und U-Bahnschächte ihrer Städte. Die Dynamik, welche in jedem Einzelnen von uns steckt, ist impulsartig gesteuert und somit unberechenbar. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass es genau diese Dynamik ist, welche soviel in dieser Welt negativ beeinflusst. Und wenn nur ein paar Menschen sich durch ein wenig Training und Bewusstsein da rausnehmen können, dann ist schon extrem viel gewonnen.

Wir alle hier wissen, dass nahezu in jedem Einzelnen von uns ein gutes Herz, Warmherzigkeit, Liebe, Fürsorge und Einfühlungsvermögen steckt. Warum können wir es zunehmend weniger leben und fühlen?

Wir sind konditioniert und geprägt über Jahrzehnte hinweg. Sehr tief und mit starken Narben versehen, flattert unsere Seele, fast so wie die vielen restless Legs. Selbst wenn wir uns allein in einem Raum befinden, fühlen und handeln wir auf das Außen fokussiert und als wenn wir von Kameras beobachtet werden. Wir scheuen uns lebhafte Diskussionen zu führen, weil diese zu schnell in Streitgespräche übergehen könnten. Wir möchten von unserem Gegenüber gemocht werden, genau so wie wir sind, ohne dieses Wie wir sind überhaupt zu zeigen. Unsere Maske für die Gesellschaft hängt direkt neben unserem Mantel und Hut an der Garderobe.

Wir erklären Verhaltensweisen und Gedanken, welche nicht im Geringsten anklagbar wären. Dennoch rechtfertigen wir die wenigen Emotionen, welche wir noch nach außen tragen und schämen uns dieser sogar oft.

Wir zerstören unsere Körper und Seelen immer mit dem Fokus auf das Außen gerichtet, denn wie so oft auch mir erklärt: DIE GESELLSCHAFT WILL DAS SO! Das System gibt das so vor.

Wer ist eigentlich diese Gesellschaft, die von mir erwartet, dass ich mir meine Haut wund schrubbe, weil ich ein Schwein wäre, würde ich nicht jeden Tag zumindest einmal duschen, welche erwartet, dass ich definitiv ab 40 Pantoprazol zu mir nehme, damit ich weitertrinken und -essen kann, was DIE GESELLSCHAFT mir vorgibt.

Liebe Leser spätestens jetzt hier werdet ihr beim Lesen dieser Zeilen denken: „Mir gibt sie nichts vor. Ich esse meinen Schweinebraten mit Soße und Klößen, weil das schon immer so war, weil das hier zur Tradition gehört, weil es mir schmeckt und ab und zu mal kann es nicht schaden. Machen ja alle andern auch.“

Oder auch sehr beliebt: „Wie du staubsaugst nicht jeden Tag? Aber da ist es doch staubig und somit auch für Allergien usw. ein Herd, welcher dann zu gesundheitlichen Schäden führt. Ich weiß das, weil ich vertrage nämlich schon lange keine Laktose, Gluten, Nüsse, etc. mehr. Und da ich mir trotzdem nichts verbieten möchte, bin ich froh, dass es dieses oder jenes Medikament gibt, welches ich gut vertrage, und dann kann ich auch mal wieder ne Pizza, oder das Buffet beim Mongolischen All you can eat Restaurant genießen.“

Total im Trend sind auch folgende Sätze: „Boah wie mir diese Veganer, Gesundheitsfreaks und Vegetarier auf den Zeiger gehen. Sollen sie doch ihr Grünzeug fressen, aber doch bitte so, dass ich nicht davon behelligt werde. Ich esse nun einmal gerne Fleisch und das ist auch sehr wichtig für die Proteine, welche mein Körper benötigt. Mein Feierabendbier hab ich mir redlich verdient. Ein Glas Wein hat noch niemandem geschadet. Ist doch dein Problem, wenn du nichts trinken willst. Verstehen muss ich das aber nicht.“

DIE GESELLSCHAFT gibt auch gerne folgende Handlungen vor, welche mir immer wieder begegnen und ich würde zu gerne ganz anders darauf reagieren, als ich es denn immer wieder aus diplomatischen und zielführenden Gründen tue.

Es gibt noch immer zu viele Eltern, welche ihren Kindern Handlungen aufdrängen, welche fataler für deren Zukunft und Entwicklung nicht sein könnten.

Es gibt KEIN richtiges Alter um seinem Kind Alkohol trinken oder Zigaretten/Vapes rauchen anständig unter Aufsicht beizubringen. Keines dieser beiden schädlichen Genussmittel ist gut zu reden. Der einzige Grund für dieses unter Aufsicht in die Welt der Erwachsenen begleiten, ist die eigene Schwäche für diese Gifte.

Es gibt keine richtige und pädagogisch wertvolle Erklärung für den eigenen digitalen Konsum, während man es für die Kinder einschränken möchte. Das einzig Richtige ist raus aus der Comfortzone und als Ausgleich nicht digitale Unternehmungen starten. Wenn du abends am TV Gerät sitzt, nebenbei im Tablett scrollst und ab und an am Handy checkst, ob du schon wieder eine neue Nachricht von irgendwoher erhalten hast, dann hat dein Kind eben genau dasselbe Bedürfnis wie du. Abgeguckt und inspiriert einzig und allein von und mit dir.

Irgendwann zwischen Windeln wechseln, das Baby knuddeln und in der Babysprache ansprechend und dem Satz: „Räum dein Zimmer auf, oder ich schalte sofort das W-Lan aus“, muss was gravierendes passiert sein.

Sprechen wir diese Zeitleiste mal gemeinsam durch:

Wir bekommen dann Babys, wenn wir es uns finanziell leisten können, oder wenn es im Job so beschissen anstrengend und nervend ist, dass wir uns ne „Auszeit“ davon gönnen wollen. (Find ich mittlerweile irrsinnig witzig diese beiden Begründungen).

Während dieses kleine Menschenkind in uns heranwächst durchspielen wir 1000 Szenarien, wie z. B. was wird der perfekte Name für das Kind sein. Welcher Kinderwagen erfüllt alle Anforderungen, welche Größe wird es zu welchem Zeitpunkt seiner Baby Zeit haben. Passen die Outfits zur Zimmereinrichtung. Was muss das Mobile über dem Bett alles können, damit das Kind am besten durchschläft bis es in den Kindergarten kommt. Was passiert, wenn ich ein Schreibaby bekomme und wie weit entfernt ist der Kindergarten meines Vertrauens, welches DER EINZIGE ohne Personalmangel und Hygienemängel sein wird. Stille ich oder gebe ich doch die Flasche, was macht das Stillen mit meiner Brustwarze, wenn ich mich doch für das Stillen entscheide. Und welche Influencerin, der ich auf Insta folge, hat mein Vertrauen, dass ich, wenn ich es ihr nachahme, auch DAS RICHTIGE für mein Baby tue. Ich kontrolliere das doch alles, oder? Sind die Farben der Einrichtung vom Babyzimmer eigentlich meine Lieblingsfarben oder die der Gesellschaft, welche ich mir durch den digitalen Algorhythmus täglich auf meine Bildschirme spüle. Kann ich das Apfelgrün meiner Flurwand ohne einleuchtende Erklärung an die Community so lassen oder muss ich es anpassen, damit mein Kind nicht zu früh eine Brille verpasst bekommt, weil die Augen überfordert werden.

Bestimmt fragt sich nun der ein oder andere Leser bei all dem was ich hier runtertippe: „Ja was ist denn nun die Lösung?“ Meine Antwort wird vielen nicht behagen, aber anderen wiederum sehr.

DU, dein eigenes tief verwurzeltes ICH ist die Lösung. Schon seit einigen Monaten begleite ich Menschen zurück zum ICH. Raus aus der Fremdbestimmung, der Beeinflussung der GESELLSCHAFT, hin zum puren eigenen ICH. Wer den Workshops beiwohnen möchte (es gibt kein muss, kein soll, keine Verpflichtungen, keine Abos) darf mir gerne schreiben.

Das nur als kleiner Einspieler und Tipp, wenn man wieder zu sich selbst finden möchte, und nun zurück zum Elternthema.

Wenn die Zeitleiste Baby langsam vorbei ist, treten wir ein ins Kleinkindalter. Da ist die Bubble dann schon meist wieder geplatzt. Man ist zurück im Daily Business in Form von wieder schwanger, zurück im Job oder auch oft in der Trennungsphase der Beziehung, welche man doch durch ein gemeinsames Kind hatte festigen wollen. Da schleicht es sich schon langsam ein das Dilemma unserer Gesellschaft, unseres Systems, welches uns Druck zu machen scheint.

Ein Zeitpunkt, an welchem wir bereits einen gewissen Lebensstandard erreicht haben. Ein finanzielles Polster erschaffen und uns einen Status der Anerkennung erarbeitet haben. Jetzt schnappt sie zu die Falle der Fehlentscheidung aufgrund von Druck, Stress und Entfremdung. Alles was wir von diesem Zeitpunkt an entscheiden, denken wir, dass wir MÜSSEN.

Es ist kein Herz und Bauchgefühl mehr vorhanden sondern nur noch ein Entscheiden aus der Situation heraus, welche wir denken, dass sich uns darlegt wird. Es ist der Zeitpunkt wo wir unser wirkliches Sein verlassen und hinein spurten in das Sein der digitalen und systemischen Gesellschaft, welche wir eigens für unsere Erklärungen und Rechtfertigungen in unseren Köpfen kreieren.

Falls da noch etwas eigenes Ich da ist, geben wir es endgültig an der Kindergartentüre ab, an dem Tag, an welchem wir unser Kind in den Kindergarten oder die -krippe bringen. Bis auf die paar Dinkel Dörtes, welche wir aus der eigenen Schwäche heraus so herabwürdigen, gibt es an diesem Punkt nahezu keine eigenständig denkenden Eltern mehr.

Jetzt an diesem Punkt füge ich in kurzen Sätzen mal mein Eigenexperiment mit den sozialen Medien ein. Ich hatte im Mai für ein paar Eltern, welche an meinen Workshops teilgenommen hatten, den Versuch unternommen für ca. 3 Wochen einzutauchen in die Bubble des Content createn. Warum? Ganz schnell erklärt: ich wollte den Eltern aufzeigen, dass diese Social Media Menschen der Öffentlichkeit keine dummen und vor allem faulen Kasper sind und ihre Ängste -weil ihr eigenes Kind gerade Ambitionen hegt selbst Content zu createn – dass es abrutschen könnte (mir erschließt sich hier bei dieser Aussage vieler Eltern zwar nicht wohin) völlig unbegründet sind. Es ist ein Job wie jeder andere auch. Und man ist nicht dazu verdammt es für immer und ewig zu machen und die Gefahr zu scheitern ist keinesfalls höher als in jedem anderen Beruf auch.

Ich begab mich also für 3 Wochen in diese Bubble, indem ich täglich auf lediglich 3 Kanälen (WhatsApp, Facebook und Instagram) mit wenig Followern als völlig abgesoftet und nicht 1000den von Beobachtern ausgesetzt mein Daily Business mit Fotos und Worten ins Netz blies. Und was sollte ich schon nach wenigen Tagen feststellen. Es ist richtig harte Arbeit, es ist anstrengend und das bereits in meiner Extra Light Version. Meine Laune veränderte sich zunehmend hin zu einer immerzu leicht angespannten und gestressten Grundstimmung und meine Treffen mit Herzensmenschen mutierten teilweise zu Fotosessions und den Sätzen: „Warte mal ich muss das noch schnell posten.“. Kurz abschließend. Absolut nicht mein Ding. Ich bin gerne in den digitalen Medien unterwegs, aber nur sporadisch und nicht täglich und immerzu. Der Preis für all die eigenen Immobilien, Autos, Klamotten und Reisen der Content Creater ist also verdammt hoch und auch wie schon oft in den letzten Monaten in den Medien vernommen, was Gesundheit und spätere Überschuldung angeht, ebenfalls.

Zurück zur Zeitleiste der jungen Eltern. Die Kindergartenzeit ist die Phase, in welcher sich die anfangs euphorisch geplante eigene Charakterformung für das geliebte Kind blitzschnell in die Ansprüche an andere Personen, an Institutionen umwandelt. Man kapituliert, weil das Stresslevel das eigene ICH auslöscht und erklärt zunehmend Fehlernährung, Fehlverhalten und fehlende Liebe und Empathie mit den Worten: „Das System lässt mir keine Chance.“ Der Kindergarten, bzw. die Schule trägt die Schuld, da es die meiste Zeit dort verbringt.

Die kommenden 2 Jahrzehnte ab Kindergartenalter des Sprösslings hat der Körper und Geist der meisten Mitbürger unseres schönen Landes auf Autopilot umgeschaltet. Nur sehr selten blinzeln eigene Wünsche und Bedürfnisse durch. 90% der Zeit gibt die „Gesellschaft“ den Ton an. Das „System“ kontrolliert das Handeln und die Familie und das direkte Umfeld (Freunde, Kollegen, Nachbarn) die Gefühle und Emotionen. Der Ottonormalverbraucher mutiert in diesen Zeitstrahl zum Klon des Nebenmannes/-frau. Ihr wollt ein paar Beispiele? Gerne.

Vorausgesetzt die finanziellen Mittel sind vorhanden (oh ich vergaß, unsere Zeiten werden immer schlechter und man kann sich nahezu nichts mehr leisten) findet ihr nahezu keine Küche mehr ohne Thermomix, keine Familie ohne E-Bike, keinen Haushalt ohne Smart Home, keine Wohnung ohne Alexa, Siri oder wie auch immer sie alle heißen. Kein Kinderzimmer ohne Toniebox und keinen Jugendlichen ohne Tik Tok Account.

Je mehr wir uns gleichschalten umso intensiver siedeln wir unsere Ver- und Beurteilung an. Es gab noch nie so viel Bodyshaming, so viel Stigmata, so viel Sexismus, Diskreditierungen, Rassismus und Herabwürdigungen anderer Lebensmodelle wie jetzt. In einer Zeit, wo man sich nahezu gezwungen fühlt anzupassen, gleichzuschalten ploppen die bunten ANDEREN wie Leuchtkugeln am Firmament auf. Umso stärker die eigene Unterwürfigkeit und Beschneidung, umso stärker die Wut und das Unverständnis auf und für andere Lebensformen.

Und genau hier passiert das, was dann erst durch körperliche und/oder psychische Erkrankungen, schwere familiäre Krisen, Persönlichkeitsstörungen wieder an der Oberfläche auftaucht, nämlich das Aufeinandertreffen der Körperhülle mit dem inneren Ich. Man trifft sich nicht wie früher regelmäßig unterm Kirschbaum, im Wald oder im Urlaub, im Winter in der Stube oder im Sommer bei der Siesta nach getaner Feldarbeit, sondern im Wartezimmer des Psychotherapeuten/Heilpraktikers/Facharztes etc. in der Hoffnung dass der Experte DIE Lösung in Form von Medikation und Gesprächen für einen parat hat. Oft ist einem nicht einmal zu diesem Zeitpunkt klar, dass man in erster Linie zusätzlich zu den unterstützenden Hilfsmitteln wie Therapie und Medikamenten vor allem sich selbst kennenlernen, annehmen und lieben darf.

Wir müssen diese Zeugnisse unserer Zeit (unsere Erkrankungen und Krisen) sehr ernst nehmen und mehr denn je wieder lernen aufeinander zu achten und füreinander da zu sein.

Man darf Stille zulassen, man muss nicht jeder Party und Feier beiwohnen, man muss nicht das neueste Gerät erwerben, wenn man mit dem aktuellen ganz gut klar kommt. Es ist relativ wie viele Klamotten man im Schrank hat und die Farbe der Couch ist nicht ausschlaggebend für die Glückseligkeit.

In meinen privaten Beiträgen auf meiner „Reinheit deiner Seele“ Seite habe ich schon oft darüber geschrieben wie es sich anfühlt nicht mit dem Strom der Gesellschaft mitzuschwimmen und trotzdem ein Teil des Großen Ganzen zu sein. Jetzt ein paar Jahre, ja nahezu ein Jahrzehnt später kann ich erfahrungsgemäß schreiben, es tut verdammt gut, es hilft einem selbst zu wachsen, Frieden mit sich zu finden und ein erfülltes und zunehmend gesundendes Leben zu führen. Je früher man damit beginnt, desto mehr körperliche und psychische Schäden kann man abwenden oder sogar vermeiden.

Nur der erste Schritt erfordert Mut. Raus aus der Angst, rein ins eigene Lebensrad, das man so bewegt, dass man die Kontrolle behält. Und es sei unbedingt erwähnt. Es ist nie zu spät den ersten Schritt zu gehen.

Denn diese Gesellschaft, von der alle sprechen das bist du. Du bist deine eigene Gesellschaft. Du solltest dich von Menschen umgehen, welche du magst und wenn da der ein oder andere dabei ist, welchen du, sagen wir es mal lieber von hinten siehst, dann kannst du das sehr gut trainieren, dass dem so sein wird.

Wenn du bis hierher gelesen hast, dann würde ich mich sehr freuen, wenn du mir ein paar Zeilen schreibst. Egal über welchen Kanal, ob über Instagram susi_freund_selbsthilfe_bkb über Facebook unter Susi Freund oder wenn du meine Handy-Nummer hast über WhatsApp. Gerne auch Kommentar hier unter dem Beitrag.

Mich würde deine ehrliche Sicht über deine aktuelle Lebenssituation interessieren. Bist du zufrieden oder sogar glücklich? Was würdest du ändern wollen und was möchtest du dass sich in deinem Umfeld ändert.

Lasst uns gemeinsam wieder ICH sein, wertfrei miteinander umgehen, lebhafte Diskussionen und Unterhaltungen führen, uns öfter umarmen und geizt nicht mit ehrlichen, tiefgründigen Komplimenten an euer Gegenüber. JEDER Mensch hat jeden einzelnen Tag seines Lebens etwas Wunderbares und Wunderschönes an sich, was es gilt erwähnt zu werden. Liebt bedingungslos und ohne Auflagen. Sprecht aus Liebe und Gefühl und ohne Zorn und Wut.

Und ein wichtiger Satz sei zum Schluss noch erwähnt. Ein Satz, welcher mir sehr viel bedeutet. Wir alle haben Feuer, Temperament und Leidenschaft in uns. Nicht jede laute Stimme in einer emotionsgeladenen Stimmung ist gleich die eines Cholerikers und bösen Menschen. Es gilt immer der Situation entsprechend zu filtern.

Aber wenn ihr Papas oder Mamas seid und eure Kinder anschreit, weil ihr just in diesem Moment keine andere Möglichkeit seht, eurer Hilflosigkeit euren Kindern gegenüber Ausdruck zu verleihen, dann vergesst ab sofort NIE, wenn ihr schreit, schreit ihr euer eigenes Spiegelbild an und mit jedem Schrei wird sich euer Kind ein Stück weiter von euch entfernen. Es kann nicht anders. Es hat einen natürlichen Schutzwall, welcher hochfährt, wenn sich Frequenzen erhöhen. Erinnert euch zurück, was ihr getan habt, als eure Eltern die Stimme erhoben. Ich kenne niemanden, welcher nicht dasselbe getan hat, nämlich eine Mauer in seinem Herzen zu errichten, welche es Zeit seines Lebens davor schützt zu brechen.

Und wenn ihr das nächste Mal schreit, weil eure Kinder euch in ihrer Pubertierphase anlügen, dann lasst euch aus meiner Erfahrung heraus den Tipp geben. Das ist nichts Persönliches. Alle Teenies lügen, egal was auch immer ihr als Eltern tut.

Vergesst niemals. Es sind eure Kinder, welche ihr geboren, gezeugt, gewickelt, gefüttert und gepflegt und gehegt habt. Sie lieben euch, auch wenn es ihr Job ist euch während ihrer Teeniezeit zu hassen. Nehmt es hin mit Würde und Ruhe, dass sie ihre Zimmer nicht aufräumen. Es ist eine Phase, welche vergeht. Die Verletzungen und Schmerzen, welche sich viele Familien während dieser Phase zufügen, die bleiben vielleicht sogar für immer. DAS MUSS NICHT SEIN.

Abschließend möchte ich euch mitteilen, dass es sich als Outlaw unserer „Gesellschaft und Systems“ hervorragend leben lässt. Ich glaube ich bin ein gutes Beispiel hierfür und nehme euch sehr gerne auch weiterhin mit, raus aus dem Druck und hinein in den Frieden mit einem selbst.

Eure

Susanne Freund